
Schon in der Nacht hat es nicht mehr geregnet, auch die Feuchtigkeit hat abgenommen. Heute Morgen ist die Abdeckung der Windschutzscheibe nicht feucht und ich kann sie trocken einrollen und verpacken. Allerdings sind die Klamotten von gestern noch naß bzw. feucht. Die Schuhe sind am schlimmsten betroffen. Das wird auch wohl noch dauern.
Von der gestern gekauften Hafenkarte haben wir 35 Kronen verbraucht. Wie dieser Betrag zu Stande kommt ist mir ein Rätsel. Eigentlich kostet eine Dusche 10 Kronen. Das Pfand für die Karte und das nicht verbrauchte Geld soll der Bezahlautomat auf die Kreditkarte zurückladen, sagt die Anleitung – sogar auf deutsch. Hoffen wir das Beste. Direkt nach dem Vorgang am Automaten war noch nichts auf dem Bankkonto zu sehen.*
Wir haben uns nicht gerade geeilt und fahren irgendwo gegen 10:00 los zum Leuchtturm Lyngwig Fyr am Ringkøbing Fjord.

Es ist der jüngste Leuchtturm Dänemarks, von 1906, und außerdem eine Touristenattraktion, zumindest jetzt in den Ferien bei nicht so optimalem Wetter. Es sind nur 19 Grad und der Westwind ist ziemlich stark und kühlt dadurch ganz schön. Jäckchen oder Pullöverchen sind angebracht.
Danach fahren wir, nur durch einen Tankstopp unterbrochen, direkt zum „Campingplatz“. Ein Fundstück auf Park4Night. Es ist kein Campingplatz, eher ein Zeltplatz auf einem ehemaligen Bauernhof, maximal 10 Stell- oder Zeltflächen, verteilt auf zwei mit hohen Hecken umstandenen Wiesen, leicht abschüssig. Wir sind mit einer anderen Familie allein, jeder auf einer der Wiesen. Sie im Zelt, wir im Auto. Hier ist nichts los.
Auch in Thy ist nichts los. Die Dörfer durch die wir gefahren sind, sind nicht alle dänisch schön, gemütlich, sauber und aufgeräumt. Thy muss sowas wie das wirtschaftliche Sorgenkind in Dänemark sein. Viele Häuser sind in einem traurigen Zustand, das Schild „zu verkaufen“ steht gefühlt auf jedem dritten Grundstück.
Direkt nachdem wir den Stellplatz für die nächsten zwei oder drei Nächte „besetzt“ haben, fahren wir spontan zur Thy Distillery, einfach mal die Lage peilen. Wenn’s sich lohnt, könnten wir sie ja morgen besichtigen.
Aber Überraschung. Wir kommen um 14:00 an, um 15:00 schließt die Destille, der Parkplatz ist voll! Überall Menschen. Es ist voll. Himmel was ist hier den los??!? „Alive Festival“ der Destillerie, erfahren wir dann von der strahlenden Rezeptionskraft.Wir erfahren leider auch, dass die Destille morgen und am Sonntag geschlossen ist. Wenn Tasting, dann jetzt sofort, oder gar nicht. Die Entscheidung steht ja nicht in Frage, dennoch hätte ich mir mehr Anlaufzeit gewünscht und nochmal was über Thy nachgelesen, aber besser so, als gar nicht.



Es sind viele Menschen da. Mit Bussen sind sie gekommen. Entsprechend voll ist es. Es gab Live-Musik von zwei Bands, die jetzt so langsam aufhören. Mehrere Whiskyverkostungen finden gleichzeitig in einem Raum statt. Zuhören ist anstrengend. Wir haben Glück und der „General Manager Germany“ leitet unsere Verkostung, darüber hinaus sind wir nur vier Personen. Mit anderen Worten ich kann fragen und fragen. Aber, so scheint es, ich gehe ihm damit nicht auf den Zwirn. Er ist zugewandt und bietet uns an, die Destille im Schnelldurchgang zu besichtigen, nachdem das Fest zu Ende ist. Total toll. Am liebsten würde ich noch viel mehr fragen, aber der arme Kerl hat ja eigentlich schon Feierabend. Also übertreiben wir es nicht und lassen uns das Warehouse, den Brennraum, die Räucherkammer und den Mälzraum „im Galopp“ zeigen.
Die Mannschaft räumt schon auf und verteilt unter sich noch übrig gebliebene Zimtschnecken der doppelter-Handteller-Größenordnung. Ich bekomme auch einen ab, da ich im Gegensatz zu Heike genau zur rechten Zeit am rechten Ort war. Darüber bin ich zugegeben auch froh. Ich habe ein paar Whiskys probiert, wenn auch ausgesprochen kleine, aber ich muss noch mit dem Auto weiter fahren . . . Heike macht uns im Auto noch schnell ein Schwarzbrot mit dick Käse.
Gekauft habe ich allerdings nichts. Heike hat ein kleines Glas gekauft. Die Whiskys waren mir zu teuer, zumindest die beiden, die uns geschmeckt haben, ca. 120,– € pro Flasche ist schon eine Ansage und überschreitet im Prinzip unser selbstgesetztes Limit. Bestimmt bereue ich die Abstinenz schon heute Abend.
Jetzt fahren wir erstmal einkaufen. Der Lebensmittelvorrat, den wir im Auto beherbergen können ist durch den geringen Platz im Auto doch sehr eingeschränkt. Der Spar in Koldby ist sogar ziemlich groß, überraschend groß. Er hat mehr als wir brauchen :o).
Zum Abend gibt es Pfannekuchen mit Erdbeerquark. Wir können draußen essen und müssen noch nicht einmal unsere Stühle aufbauen, neben uns steht eine hölzerne Picknickgarnitur. Sehr praktisch, wir haben sie ja ganz für uns allein. Die Zeltfamilie auf der anderen Wiese hat auch eine.
* Nachtrag: Es hat alles funktioniert! Das Geld ist ordentlich auf dem Konto gelandet.