
Auf den Spuren von Agatha Christie und Hochzeitstag!
Gestern habe ich die Fähren eben noch gebucht, die wir benötigen um Anfang März nach Hause zu kommen und Ende März, um wieder auf die Insel zu gelangen (Enkelin hat dann nochmal Ferien!!). Eben . . . . eben ist immer schlecht. Prompt habe ich die Fähre nicht für den 29.03. sondern für den 29.04. gebucht! Schei…! Erste Tat des Tages ist es also mit der Buchungshotline des Clubs die Buchung zu verändern. Es klappt reibungslos! Wunderbar! Und das Schönste ist, es kostet nichts!
Es ist nicht weiter tragisch heute vormittag länger im Auto rumzuhängen, draussen regnet es. Die Wolken von gestern waren tatsächlich die Vorboten. Britscher Regen! Soll heißen, alle Menschen die wir auf Regen ansprechen, verdrehen die Augen. Zu viel Regen! Zu viel Wasser von oben. Zu viele Überflutungen. Zu viele Straßensperrungen und -schäden! Wir nutzen den verregneten Vormittag und waschen Wäsche. Das dauert dank der Industriemaschienen nicht so lange wie zu Hause, aber dennoch so seine Zeit, incl. des Trockners, der nur in 15 Minuten Etappen nutz- und einstellbar ist.
In der Zwischenzeit schreibe ich Tagebuch, sichere die Fotos von den Kameras und entwickle sie soweit ich komme. Danach entscheiden wir uns (keineswegs spontan!) dazu Greenway zu besuchen. Das Ferienhaus von Agatha Christie, das vom National Trust verwaltet wird. Zu weit vom Campingplatz entfernt für einen Spaziergang mit verletztem Zeh (über 3 Meilen entfernt und sicherlich nur über ziemlich schlammige Wege zu erreichen). Oh Schreck! Parkraum ist knapp am Ziel. Man muss vorher einen Parkplatz buchen! Wer Lesen kann ist im Vorteil. Immer wieder die gleiche Erfahrung. Wir fahren trotzdem einfach mal los und wollen gucken was passiert.
Die Strecke will ich mir zu Fuß gar nicht vorstellen. Zu viel Stadt und Ort und Hauptstrasse, abseits davon wäre ein Spaziergang gar nicht möglich gewesen. Wir kommen an und geraten sofort an einen Parkplatzwächter. Aber, oh Wunder, alles kein Thema. Wir haben plenty of space! -??????- Aber uns soll’s recht sein. Für NT-Mitglieder ist’s Parken ausserdem kostenlos. Was will man mehr. Der Eintritt ist mit 17 GBP/Person vergleichsweise preiswert. Kingston Lacy und Mottisfont hätten jeweils 22 bzw. 23 GBP/Person gekostet. Mein Gott, billig ist das nicht.

Wir streifen trotz des schlechten Wetters ein wenig im Garten umher. Heike schließt sich spontan einer Gartenführung an, während ich eine Katze „jage“ 😉
Hier im Garten, aber auch an anderen Stellen im Land ist m.E. auffällig, dass Schirme im Königreich nicht so beliebt oder verbreitet sind. Auch Kapuzen oder Regenjacken sehen wir selten. Man und auch Frau, läuft ohne Kopfbedeckung, maximal mit Mütze durch die Gegend. Es sind ca. 12 Grad Celsius. Später in der Stadt, siehe unten, sehen wir auch noch junge Frauen, die bauchfrei unterwegs sind, oder Jugendliche mit kurzen Hosen und Poloshirts, ohne Jacken versteht sich! Wiederum laufen viele Menschen mit Gummistiefeln durch die Gegend. An diesem Umgang mit Bekleidung kann man vielleicht besser erkennen als an allen anderen Merkmalen, dass wir im Vereinigten Königreich sind.
Greenways gefällt uns sehr gut. Auch in diesem Garten finden wir tolle Pflanzen, die wir am Liebsten auch in unserem Garten hätten. Diesmal haben es uns spezielle Osterglocken bzw. Narzissen, angetan. Sie sehen eher stabförmig aus, narzissus cyclamineus.
Vielleicht auch wegen des Regens bleiben wir im Haus recht lange und entern den Shop, allerdings nicht das Café! Heike findet im Shop ein Stirnband in den Farben ihrer Jacke. Sieht sehr gut aus. Es wechselt den Besitzer. Seit ich Postcrosser bin (seit der Reise nach Zentralasien und dank Teresa) schaue ich immer nach Postkarten. Ich finde keine, aber eine Umschlagkarte, die uns beiden gefählt. Hier gibt es soooo tolle Karten! Himmlisch.
Den Rückweg wählen wir über eine andere Strecke, und was für eine! Fast ausschließlich singel track roads. Landschaftlich reizvoll, ein Stück echtes England, mitten durch die Siedlungen. Allerdings ist auf den Straßen nichts zu sehen, keine oder sehr wenige und nur gaaanz kleine Ausweichen sind vorhanden.
Als uns ein LKW entgegenkommt wird’s im wahrsten Sinne des Wortes eng. Der kleinere muss immer zurück, bis zur nächsten Ausweiche und sei es viele hundert Meter. Zur Hecke auf der linken trennen uns 0 Zentimeter – wir stehen schon fast drin mit hochgefahrenen Spiegeln -, zum LKW auf der rechten Seite sind’s ca. zwei. Aber alle überleben beschädigungsfrei, Hecke, LKW und unser Camper auch.
Auf dem Campingplatz angekommen bauen wir wieder das Auto auf und richten uns ein. Ein echter Nachteil der Camperei mit einem Camper. Wir können zwar überall hinfahren, müssen ihn aber jede Nacht neu aufbauen und einrichten. Manchmal, wie heute im Regen, ganz schön ätzend.
Danach gehen wir, Regen hin oder her, über die Brücke des River Dart in die Stadt Totnes rüber. Zur Feier des Tages wollen wir nicht kochen sondern essen gehen. Heike hat sich für den nahen Pub Waterside entschieden. Allerdings laufen wir erst einmal die Highstreet hoch . . .
. . . bis zur Kirche und zurück.
Hier hat es viele kleine Geschäfte. Auffällig ist die hohe Anzahl von Charitiy Läden, in denen man gebrauchte Bekleidung spenden, verkaufen und kaufen kann. Sie sind nicht so in unserem Fokus, wir suchen einen Uhrmacher für Heikes stromlose Armbanduhr . . . . und finden einen! Heike wird zu einem ganz anderen Menschen!! Die Uhr tickt wieder!! Wir finden aber auch zwei interessante Lebensmittelgeschäfte für Biolebensmittel und Käse. Dort lassen wir einiges an Pfunden, britischen Pfunden! Einiges davon werden wir aber auch mit nach Hause nehmen. Vielleicht nicht gerade den Weichkäse, der riecht ja jetzt schon etwas . . . würziger.
Um fünf sitzen wir im Pub. Mitten in der Woche ist nicht viel los. Bis wir gehen ändert sich daran nichts. Ich probiere zwei lokale Biersorten, jeweils einen pint. So viel Bier trinke ich selten bis noch seltener. Aber in den englischen Pubs ist das irgendwie anders. Uns beiden schmeckt das Essen sehr und wir finden, wir haben trotz des Regens einen guten Tag gehabt, dem zu feiernden Anlass durchaus angemessen. Auch der Zeh hat überwiegend mitgespielt (ist aber am Abend blau!).

