
Scarborough Fair – ein altes Volkslied aus dem Mittelalter, gesungen von Simon & Carfunkel. Ich glaube, Menschen in meinem Alter kennen es und beim Titel fällt ihnen sofort das Duo ein.
Irgendwie kann ich den Ort allerdings nicht wirklich mit dem Lied in Verbindung bringen. Wir haben uns nach dem Frühstück entschlossen, dorthin zu fahren und je nach aktueller Laune ggf. das Castle auf der Halbinsel zu besichtigen. Wir fahren gefühlt durch die ganze Stadt und auch an der Promenade entlang zum Parkplatz unterhalb des Castles. Zentraler geht es nicht. Dennoch reicht die Lust nur für einen Rundgang um das Castle und ein paar Bilder von oben auf die Stadt, die etwas mehr als doppelt so groß wie Waltrop sein soll.
Was wir auf der Fahrt hierher gesehen haben und was wir jetzt sehen animiert uns nicht, den Ort zu erkunden. Wir entscheiden uns für die Fahrt nach Whitby, weiter nördlich.
Viele Städte, bzw. Orte haben Namen die auf -by enden. Das klingt schon skandinavisch. Andere Orte haben klar aus der altnorwegischen Sprache abgeleitete oder direkt übernommene Bezeichnungen. Am eindeutigsten ist der Name Kirkeby oder Kirkby, Kirke = Kirche, By = Ort, Siedlung, Stadt. Eine Recherche bestätigt dann auch nochmal unsere dunklen, fast vergessenen Kenntnisse. Yorkshire war Bestandteil des Danelag in der Zeit der Herschaft der Nordmänner oder Dänen in England. In Yorkshire soll es besonders viele Ortsnamen geben, die auf diese Zeit zurückgehen. Unser Eindruck widerspricht dem nicht.
In Whitby merken wir wieder einmal das wir noch Osterferien im UK haben und Wochenende. Es sind wesentlich mehr Menschen hier, als ich das zuvor angenommen habe. Ich dachte so in meiner Naivität, die Osterferien neigen sich dem Ende zu, es ist Sonntag, alle fahren nach Hause und was soll hier oben schon sein? So weit im Norden und dann noch an der Nordseeküste? Naiv! Hab‘ ich doch gesagt! Vermutlich sind es auch Sonntagsausflügler. Die nächste große Stadt ist Middlesbrough (ca. 400T Einw.) und keine 50 km entfernt. Nach Leeds ( ca. 800T Einw,) sind es ca. 1 1/2 Stunden Autofahrt.
Wir finden einen Parkplatz in der Nähe des Hafens und laufen von dort am Wasser entlang in die Stadt. Auch wenn es heute recht voll ist, Whitby gefällt uns wesentlich besser als Scarborough.
Bei der Ankunft in Whitby öffnet Petrus leider den Himmel. Wir hoffen und verzagen nicht, warten ab und krabbeln erst aus dem Auto, als der Regen nachläßt. Von diesem Moment an wird es nur noch besser, das Wetter, und am Ende unseres Aufenthaltes ziehe ich die Regenjacke aus, weil sie in der Sonne einfach zu viel ist. Die Temperaturen steigen auf ca. 16 Grad, die sich aber auf Grund des Windes kühler anfühlen. Aber immerhin!
Wir laufen auf der Kaimauer „raus in die See“. Wie in vielen anderen Seebädern finden sich auch hier die scheinbar unvermeidlichen Tüddeldü-Piep-Bumm-Spielhallen, Blink-Blunk-Fish’n-Chips Läden, lärmende Karusells und all‘ so’n Kram, auf den man andernorts gerne verzichtet. Insgesamt sieht man dem Ort die (wahrscheinliche) Haupteinnahmequelle, den Tourismus, deutlich an.
Heike setzt sich in ein kleines Café, während ich die 199 Stufen zur Klosterruine hoch laufe und mal in den Shop des Britich Heritage schiele. Dort ist eine Sonderabfüllung von Filey Bay zu erstehen . . . . Aber ich widerstehe!
Auf dem Weg zurück zum Campingplatz halten wir spontan an einem kleinen Küstenabschnitt und vertreten uns die Beine, bevor wir wieder den Campingplatz entern.

Am Abend sieht der Himmel teilweise spektakulär schwarz aus, allerdings hält sich Petrus diesmal bedeckt.

