
Bislang eine Fahrt der nicht erfüllten Erwartungen.
Zumindest wettertechnisch. Ich habe nicht so kalte Zeiten erwartet. In den Nächten fallen die Temperaturen bis auf 4 Grad (Gott sei Dank über Null!). Das ist wesentlich kälter als erwartet. So kalt war es im Februar nicht!
Tagsüber sind die Temperaturen heute auf 20 Grad geklettert! Gott sei Dank habe ich auch was mit kurzem Arm dabei. So warm hatte ich es allerdings nicht erwartet. Aber das ist mir lieber, als das, was die Wettervorhersage für den morgigen Tag verkündet – Regen 8 Grad!
Wir sind, wieder über Nebenstraßen, durch eine sehr schöne Landschaft aus den Yorkshire Dales heraus und in den Lake District hinein gefahren. Anstelle eines Wochenmarktes, das war zumindest der Plan, haben wir wegen des hervorragenden Wetters ein Castle besucht.
Irgendwie hatte ich mich schon über die Verkehrsmenge auf allen möglichen Straßen in den Lakes gewundert. Auf der Zuwegung zum Castle schlägt die Verwunderung fast in Entsetzen um. Jede Menge Autos kommen uns entgegen. Entgegen! Am Vormittag! Was ist den hier los?!?!?!
Tja, was soll schon los sein?!?! Der Parkplatz ist schlicht und ergreifend voll. Wir müssen unverrichteter Dinge vom Parkplatz fahren, haben dann aber Glück und finden auf einem Wiesenstreifen vor dem Castlegelände ein Plätzchen zwischen Obstbäumen (glaube ich jedenfalls). Also können wir Sizergh Castle doch noch besuchen.
Das Gelände ist echt voll. Familien mit und ohne Kinder, mit und ohne Großeltern, mit und ohne Freunden, mit und ohne alles zusammen! Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich mir das antun möchte und nicht viel lieber gehen will.
Ich frage die nette Dame an der Kasse, ob nicht vielleicht eine Veranstaltung heute stattfindet. Sie schaut mit erstaunt mit großen Augen an und meint, wir haben doch Osterferien!
Aber das Haus, also das Castle, wollen wir uns wenigstens ansehen. Und siehe da. Hier ist schon weniger los. Das Gebäude ist wirklich über 800 Jahre alt, zumindest Teile davon. Wie üblich wurde an- und umgebaut in all den Jahrhunderten. Im Ergebnis ist dieses Haus mal was anderes als all die anderen Herrenhäuser, die wir uns angeschaut haben und in einer Hinsicht echt besonders. Der ehemalige Eigentümer, bzw. dessen Sohn wohnt hier noch. Ein Teil des Castles ist nach wie vor privat und jeder Raum, den wir besuchen können gut beaufsichtigt (nun ja, das ist schon fast Standard).

Nach dem Castle schauen wir uns noch im Garten um. Und erleben noch eine kleine Überraschung. Auch dort sind nur noch wenige Menschen. Wo sind sie alle?
Die Lösung ist einfach! Das Gelände hat nicht nur ein Castle mit Innenhof, Terassen und Nebengebäuden und einen Garten, sondern auch einen Park. Und da sind sie! Später bekommen wir auch mit, dass einige nur der Cafeteria des National Trusts wegen hierher gekommen sind. Erstaunlich. Sie ist gut, davon überzeugen wir uns selbst, aber nur dieserwegen hierher zu fahren?
Die Zeit verfliegt. Wir fahren am Nachmittag dann weiter in Richtung nächste Station, Troutbeck Head, mitten durch die Lakes. Und Whow! Traffic! Jede Menge. In einem der Orte, die wir durchqueren müsen, Ambleside am Windermere, staut sich der Verkehr. Man quetscht sich im Schritttempo durch die Straßen des touristischen Örtchens. Es erfreut sich eines regen Besucherandrangs. Auf jedem Gehweg laufen Leute herum (sonst in England nicht unbedingt der Fall), die Wiesen sind voller Menschen, der Minigolfplatz platzt aus allen Nähten, aus den Geschäften hängen die Menschen mit den Füßen raus. Wir haben dank des „Gänsemarsches“ genug Zeit das alles zu bewundern.
Der Campingplatz liegt mitten im Sonst-ist-hier-wirklich-gar-nichts! Ein Mobilfunksignal gibt es nicht. Allerdings stellt der Campingplatz ein WLAN-Netz zur Verfügung. Das Club-Wifi. Für umsonst. Besser so, als gar nichts.

Heute waschen wir noch schnell die Wäsche, im Wesentlichen unsere Handtücher, Schlafanzug und Unterwäsche, resp. Socken, während wir draussen in der Sonne zu Abend speisen (Schnittchen mit Gürkchen!).


