Cambridge – St. John’s College

Cambridge ist eine Studentenstadt.

Ein Besuch in Cambridge, die Gelegenheit sich mit Colleges auseinander zu setzen . . .

. . . und mit Universitäten und den Unterschied hüben (bei uns in Deutschland) wie drüben (hier im UK). Spannende Sache. Wir haben auch in dieser Angelegenheit nicht das gleiche Verständnis von der Welt.

Hier im UK sind die Colleges Teil der Universität. St. John’s College, Trinity College und alle anderen sind die University of Cambridge. In Oxford ist es genauso. Macht man einen Master am Trinity . . . geht nicht! Den Abschluss bekommt man von der University of Cambridge. Heute. In dunklen Zeiten war es vielleicht anders. Dennoch ist jedes College selbstständig und kann eigenes Vermögen halten.

Das älteste College in Cambrige ist das Peterhouse. Aber es ist nicht so alt wie das erste College in Oxford (1249!!). Nur die Universitäten in Bologna und in Paris sind älter (Europa zentrierte Sicht). Deutschland geht mir einer rund 150 jährigen Verzögerung ins Rennen. Warum? U.a. wegen Formalitäten. Wir waren wohl schon immer komplizierte Beamtenseelen. Genehmigungen vom Papst wurden als notwendig erachtet. Tja . . . und wer auf die Kirche baut, hinkt wohl in der Entwicklung halt immer hinterher.

Wir fahren mit dem Bus in die Stadt. Der Campingplatz liegt ‚zu weit draussen‘ für einen Fußweg. Heike und ich sind eine Kleingruppe, die ein Tagestickt für 9,50 GBP nutzen kann. Das ist kein Schnapper, aber auch nicht unfair. Im Prinzip nutzen wir das Ticket für 4 Einzelfahrten zwischen Zentrum und Stadtrand. Die Sonne scheint, wir sitzen oben -auf dem Hinweg- und haben im Prinzip eine kleine Stadtrundfahrt ohne Erklärungen.

Der Bus hält wirklich mitten in der Stadt -Christ Church- und wir haben es nicht weit zu unserem ersten Ziel: St. John’s Kollege. Für 10 GBP pro Senior dürfen wir darin frei herumlaufen, sollen aber bitte im Wesentlichen einer Besucherroute folgen. Machen wir auch brav, meistens jedenfalls.

Abweichungen von der Route, das merken wir recht bald, lohnen sich nicht. Dann landet man in modernen Bereichen des Colleges und dort sieht es so aus wie überall oder noch ein wenig schlimmer, Betonbauten, nicht wirklich an die ortsübliche Architektur angelehnt. Eine Fakultät für Architektur scheint es hier auch nicht zu geben . . . ??

Wir laufen anschließend im Zick-Zack durch die Stadt. Das Wetter spielt ja mit. Heike findet in einem Barbour Geschäft DEN Schal – passend zum Muster des Innenfutters ihrer Jacke. Cambridge verdient an uns. Wir gehen auch essen bei Bread & Meat. Einem irren Lokal. Etwas laut, aber urrig. So ein Lokal (Restaurant??) ist nur in einem Umfeld mit vielen jungen Leuten denkbar, die auch genug Geld haben, um es in Lokalen zu lassen.

Viele Straßen, bzw. die darin stehenden Häuser sind alt. Für unsere Begriffe sehr alt. Ein Löwenanteil der Gebäude kommt aus der viktorianischen Zeit, aber es geht auch weiter zurück. Gebäude aus dem 15. oder 16. Jhd. sind nicht oft anzutreffen, aber auch nicht selten. Dazwischen kann alles andere verortet werden.

Apropos. Im St. John’s gibt es ein Café. Dort suchen wir, in Ermangelung einer öffentlichen Toilette, das WC auf und sind erstaunt. Das Café ist riesig und voll. Überall sitzen junge Menschen vor ihrem Kaffee, Latte oder Kakao und ihrem Rechner und arbeiten oder reden miteinander. Ich sehe niemanden der im Nicht-Student/in-Alter ist.  Erstaunlich.

Im Übrigen besichtigen wir keine weiteren Colleges, mit Ausnahme des Trinity. Heike wird es morgen im Zuge einer Tour besichtigen. Buchung im Vorhinein war notwendig. Leider gab es nur noch ein Ticket.

Trinity Eingangstor, Straßenansicht.

Andere Colleges hier in Cambridge kann man entweder gar nicht besuchen, nur an wenigen Tagen im Jahr oder täglich für einen geringen Eintritt, so um die fünf Pfund. Da sie fast alle im 13. Jhd. entstanden sind und dem gleichen Konzept folgen, ähneln sie sich (nach Fotos im Netz) sehr. Uns reichen das St. John’s heute und das Trinity morgen.

Eine Puntingtour auf dem Cam gehört in Cambridge für viele zur Muss-unbedingt-sein-Liste. Da ist aber ganz schön was los, und nicht jeder Student/jeder Studentin, die das Boot staken, scheinen gut gelaunt und begeistert touristisch spannende Informationen zu verbreiten, sondern schippern die Leute mit langem Gesicht über’s Wasser. Zudem ist so eine Tour nicht preiswert, 25,– Pfund pro Nase aufwärts, je nach Anzahl der Mitfahrenden und der Dauer.  Wir entscheiden uns dagegen und bewundern den Verkehr von den zahlreichen Brücken und vom Ufer.

 

Irgendwann am späten Nachmittag machen die Füße nicht mehr mit und wir begeben uns auf ‚den Heimweg‘.

Der Tag endet im Sonnenschein vor dem Auto mit Recherchen zu Universitäten und Colleges im Besonderen und ganz Allgemein. Der letzte Whisky aus dem Flachman findet seine Bestimmung (von zu Hause, ein Bimber, unpeated, Batch #4).

Danach ist mir wieder nach Bewegung und ich erkunde die nahen, ehemaligen Kreide- bzw. Kalksteinbrüche.

Unser Campingplatz für die Cambridge-Tage liegt ein einem dieser kleinen ehemaligen Brüche. Allerdings kann man davon nichts mehr erkennen, nur die steilen Ränder geben den entscheidenden Hinweis.

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