
Regen am Abend.
Allerdings wieder Sonne am Morgen. Es ist jedoch kühl und recht windig. Wir verzichten darauf draußen zu frühstücken, lassen uns dennoch alle Zeit der Welt. Heute haben wir es nicht eilig. Die Fähre fährt erst um 16:50 Uhr ab und kommt natürlich spät in Oskarshamn an, 20:00 Uhr. Wir sind gespannt auf den Seegang. Der Wind kommt von West und weht in Böen bis 6 bft. Das Schiff wird somit seitlich vom Wind getroffen.
Da wir ohnehin nach Visby zum Fähranleger müssen, fahren wir zuerst zu der begnadeten Bäckerei nur wenige Kilometer nördlich von Visby in Sjalsö, trotz der Preise, die dort aufgerufen werden. Für ein mittelgroßes Walnussbrot und vier Teilchen (Zimtknoten, Zuckerschnecken) lassen wir knapp über 25 Euro bei dem attraktiven, jungen Mann (Heikes Meinung!).
Danach fahren wir runter zur Fischerstelle des Ortes und suchen uns im Windschatten der Häuschen eine sonnige Bank.
Hier stirbt das erste Teilchen den Heldentod. Die anderen werden heute Nachmittag / Abend auf der Fähre geopfert. Man darf sie so lange auch nicht aufgeben, glaube ich.
Wir haben schon allerlei gotländische Leckereien probiert, geräucherte Flunder, Safranreispfannkuchen, Salmbärmarmelade, Käse und Safranzwieback. Letzterer ist haltbar, soll sich zu den Salmbärmarmeladengläsern gesellen und mit auf’s Festland und möglichst auch nach Hause. In den Geschäften außerhalb von Visby haben wir ihn nicht gefunden, also shoppen in Visby.
Der von uns angesteuerte Parkplatz kostet natürlich Geld, aber der Automat kann mit Karte bedient werden. Bar geht gar nicht mehr. Aber Karte auch nicht. Ich versuche es mehrfach, aber der Automat denkt und denkt und denkt. Ich Deutschland hätte ich jetzt mit den Schultern gezuckt, die Parkscheibe rausgelegt und fertig. Auf Grund der teuren Erfahrungen mit fehlender ich-darf-hier-parken-und-habe-bezahlt-Registrierung wechseln wir lieber den Parkplatz und kommen auf diese Weise auch näher zur Stadtmitte (als wären wir fußlahm . . . . ). Dieser Automat wird ausschließlich per App bedient. Dafür stehen aber gleich zwei zur Auswahl. Bei uns undenkbar. Hier ist Digitalisierung weiter und die Menschen machen mit. Wir brauchen uns nicht wundern, wenn unsere Wirtschaft lahmt.
Auf dem Weg in die Altstadt, dort gibt es den Zwieback, passieren wir ein (oder einen?) Systembolag, die schwedischen Alkoholgeschäfte. In anderen Geschäften wird Alkohol nicht verkauft. Wir kaufen nichts, es ist aber interessant sich einen Überblick über Angebot und Preise zu verschaffen. Spannend ist das wirklich sehr umfangreiche Angebot von Weinen in Pappkartons (!) von einem bis drei Litern Inhalt. Pro Liter sechs bis neun Euro scheint Mittelklasse zu sein. Wein in Flaschen, wie wir sie kennen, ist wesentlich teurer. Dafür sind hochprozentige Spirituosen preiswerter als ich gedacht habe. Zwar teurer als in Deutschland, aber bei weitem nicht so teuer wie ich das in Erinnerung hatte.
Wir schlendern noch einmal im Zick Zack Kurs durch die mittelalterliche Stadt und kaufen den Safranzwieback. Auch das ist kein Schnapper. Eine Packung von vielleicht 200 Gramm kostet über fünf Euro.

Der Ausgabewut nicht genug. Hier gab es doch so’n schicken Käseladen . . . Hiervon ein Stückchen und davon auch noch bitte und den kleinen dort ebenfalls. Alles sehr lecker für über 60 Euro. Als die Summe kassiert wird, muss ich doch kurz trocken schlucken. Jetzt ist ein zurück nicht mehr denkbar. Schluck.
Der Zufall will es. Wir gehen in die von oben nahezu geschlossene Ruine einer Kirche, als sich die inzwischen aufgezogenen Wolken öffnen. Wir können sogar in den Mauern der Ruine enge Treppen erkunden . . . und dmit wirksam dem Regen entgehen.
Ende der Erkundung und Ende der Regenzeit fallen gut zusammen. Die Sonne scheint wieder und wir stillen den Durst in einer Kaffeerösterei mit angeschlossenem Café. Der dort geröstete Kaffee ist mit Kardamon gewürzt. Ein interessanter Geschmack, aber für mich nicht kräftig genug.

Wir sind zeitig am Fähranleger und müssen auf die Verladung warten.
Alles funktioniert problemlos und einfach. Unter Deck weist man uns einen Platz AUF der Rampe zu. Wir stehen mit der Schnauze nach unten ziemlich schräg. So haben wir noch nie gestanden. Hoffentlich halten die Handbremsen, unsere und die der Fahrzeuge hinter uns.*
Wir kommen um 20:00 Uhr auf dem Festland an. Heute haben wir keine Lust mehr, durch die Gegend zu fahren und einen fernen Stell- oder Campingplatz anzusteuern. Wir nutzen den Platz, den wir bereits vor der Überfahrt nach Visby vor über einer Woche erkundet haben.
Zuerst stehen wir weiter vom Servicehaus entfernt. Wir wollen nicht mitbekommen, wenn die anderen Camper zur Dusche, Koch- oder Waschküche gehen. Aber weiter vom Servicehaus ist auch näher an einem Hochzeitsevent auf dem Nachbarkai. Man feiert. Draussen. Die Stimmung ist gut. Viel Hallo und Co. Hmmmm. Mir fällt ein Eintrag über diesen Stellplatz auf Park4Night über die Lärmbelastung bei Partys ein.
Bevor die gute Laune der Feiernden zur Belastung werden kann, wechseln wir auf dem Stellplatz in Oskarshamn einfach den Platz. Obwohl insgesamt gut besucht, findet sich noch ein Plätzchen für uns weit genug von den gut gelaunten Hochzeitsleuten entfernt. Zwischen diesen und uns stehen jetzt noch einige andere Wohnmobile, die der „norwegischen Klasse“ (groß, lang, hoch, breit). Ideale Schallschutzwände.
Bevor wir zwischen die Federn kriechen laufen wir noch einmal durch den Hafen und drum herum und erhaschen so einen Blick auf ‚unsere‘ Fähre im Abendlicht (ca. 21:00).
*Nachtrag: Sie haben gehalten, die Bremsen!



