Tjälvars Grab – Trullhalsar – Tempo Katthammarsvik – Grynges Fischerstelle

Grynges Fischerstelle

Der Tag der Schotterstraßen.

Dieser Tag hätte irgendwie nicht mehr sein müssen, auf Gotland. Wir haben genug Gotland gesehen. Diese Auffassung teilen wir spontan, als wir nach der Besichtigung von Tjälvars Grab in Richtung des Gräberfeldes Trullhalsar fahren. Aber . . . wir haben die Fähre schon gebucht. Für morgen! Also haben wir uns noch etwas angesehen. Wir wollten beide nicht auf dem Campingplatz und am Strand rumhängen. Aber es durfte nur ein kleines Programm sein. Das hat man nun davon, wenn man alles Mögliche (zu weit) im Voraus bucht und immer die preiswerte kann-nicht-umgebucht-Variante wählt.

Die Besichtigung der Schiffssetzung in unmittelbarer Nähe des Campingplatzes hatten wir jetzt schon mehrfach verschoben. Heute ist die Gelegenheit. Um dorthin zu kommen müssen wir über eine Schotterstraße fahren. Es ist eher ein Feldweg. Ich bin mir irgendwann ziemlich sicher, dass wir daran vorbeigefahren sind und gleich im tiefen Wald landen, als endlich der kleine Parkplatz für die Schiffssetzung auftaucht, eher ein von Bäumen frei gemachter kleiner Platz. Die nahe Schiffssetzung ist wenigstens deutlich zu sehen und nicht überwuchert. Sie gefällt uns besser, als die gestrigen.

Dann fahren wir nach Trullhalsar und müssen wieder und zwar recht lange, über eine Schotterstraße fahren. Allerdings hat sie den Namen Straße verdient. Man kann recht zügig darauf fahren, allerdings staubt es hinter uns heftig. Da hinter uns kein Verkehrsteilnehmer her fährt, wir auch niemanden  überholen (Radfahrer) oder uns gar jemand entgegen kommt, können wir stramm über die Piste brettern. Allerdings wird die Straße alsbald zum Feldweg, zur Fahrspur. Sind wir hier richtig? Schau doch noch mal nach. . . . Und dann mitten im Wald ein „P“-Schild und ein umgekippter Wegweiser. Welche Richtung bitte? Wir finden die richtige und stehen alsbald auf einem Waldfriedhof.

Ca. 350 Gräber (steht im Reiseführer!) liegen hier auf 5 m über NN und ca. 500m vom Meer entfernt. Als sie angelegt wurden, lag das Meer in Steinwurfnähe. Das Gräberfeld ist beeindruckend. Leider findet sich nirgends eine Erklärung über die verschiedenen Gräber. Sie sehen unterschiedlich aus. Aber dafür sind wir dann doch in Schweden. 5G mitten im Nirgendwo. Wikipedia und Co. geben uns die Auskünfte, die wir gerne hätten, während wir auf einem Grabhügel unter den Bäumen in der Sonne sitzen.

Irgendwann bewegt sich was zwischen den Grabhügeln. Wir sind nicht mehr allein! Bislang hatte ich den Eindruck, nur wir sind so verrückt, uns derart abgefahrene Stellen anzusehen. Aber nein, da laufen noch zwei rum. Wir kommen allerdings nicht ins Gespäch. Auf dem Parkplatz winken wir uns lediglich freundlich zu. Es waren auch Germanis aus NRW. Klein ist die Welt.

Wir sind unschlüssig, was wir uns noch ansehen sollen und wozu wir noch Lust haben. Eine letzte Fischerstelle soll es den sein. Auf dem Weg dorthin wollen wir noch „mal eben schnell“ Äpfel kaufen, den letzten haben wir zwischen den Grabhügeln verzehrt. Aber Gotland hat nur wenige größere Orte mit Geschäften! Hier auf der Halbinsel Östergarn gibt es nur in der Ansiedlung Katthammarsvik einen Baustoff-/Land- und Lebensmittelhandel mit dem schicken Namen Tempo. Das einzige was fehlt, ist so etwas wie Landmaschinenservice mit Tanke. Erstaunlicher Weise unterscheiden sich die Preise in diesem Allzweckladen nicht wesentlich von denen in Visby.

Grynges Fischerstelle liegt voll im Wind. Sie ist ebenfalls nur über eine Schotterstraße zu erreichen. Diese Fischerstellen haben etwas.

Aber auch hier riecht es teilweise streng nach vergammelndem Tang. Das Wasser ist überall um Gotland herum relativ flach und wird erst am Ende der Felsplatten, die weit ins Wasser reichen, tiefer. Von der Küste aus mit Angel im Meer zu fischen ist fast unmöglich. Hier sieht es etwas anders aus. Es wird schneller tiefer, aber der Wind steht falsch. Bei so viel Gegenwind bekäme ich den Köder gar nicht so weit rausgeworfen wie ich in werfen müsste. Hechte und Barsche, ansonsten Süßwasserfische, sollen hier an der Küste vorkommen. Die Ostsee hat zwar salziges Wasser, aber die Konzentration ist hier wesentlich geringer als in der Nordsee. Ausserdem ist das Wasser eher grün und braun als blau oder grau.

Zurück am Campingplatz schaffe ich es noch einmal ins Meer zu laufen und unterzutauchen bevor die Sonne hinter den aufziehenden Wolken verschwindet. Es wird immer kühler. Schon das Abendessen nehmen wir im Auto zu uns und bauen Tisch und Stühle ab. Immer wieder fällt danach mal Regen. Nicht viel, aber zu viel um am Strand herumzulaufen oder draußen zu sitzen. Ich fürchte, der Regen wird nicht reichen, um unser Auto von all dem Staub zu befreien, den wir heute auf den Schotterstraßen eingesammelt haben.

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