
Heike läßt mich heute morgen einfach schlafen. Ansonsten stehe ich auf, wenn sie duschen geht und richte das Auto für den Tag. Heute bekomme ich es nicht mit und Heike lässt mich bis nach acht einfach schlafen. Obwohl es mir gutgetan hat, ärgert es mich auch. Der Tag beginnt jetzt so spät.
Der Morgen ist nicht sonnig. Wolken am Himmel. Und sie sehen nicht gerade hell und weiß aus. Auf dem Weg zur Ekeby Kirche beginnt schon der Regen. Allerdings ist es nicht genug, um das Auto von all dem Staub der letzten Tage zu befreien. Ausreichend aber, um unangenehm zu sein. Dazu passt, dass die Kirche heute geschlossen hat. Heute?? An der Kirche selber oder am Aushang davor sind keinerlei Öffnungszeiten angeschlagen. Das war wohl nichts. Da hat der Reiseführer mal versagt.
Wir fahren nach Roma. Dort soll es eine Glasbläserei geben. Man kann bei der Arbeit zusehen. Genau unser Ding. Aber . . . auch das ist ein Reinfall. Es gibt einen Laden, in dem handgefertigtes Glas verkauft wird. Glas, das in Schweden hergestellt wurde, aber nicht unbedingt auf Gotland. Ob wir den Reiseführer weiterempfehlen können????
Die Location ist mit einer alten Klosterruine verbunden und insgesamt als tolle Sehenswürdigkeit heruasgestellt. Aber wir können Kungsgård irgendwie nicht abgewinnen. Der einzige Vorteil, im Glasladen finden wir ein Mitbringsel, das wir für eine daheim gebliebene Person unbedingt noch haben wollten.
Gotland Whisky ist der nächste Reinfall. Nun, wir haben vorher auch nicht wirklich nach irgendwelchen Öffnungszeiten gefahndet. Aber mitten in der Woche? Ich dachte, dass da wenigstens der Shop geöffnet hat. Aber alles ist dicht und sieht auch nicht sehr einladend aus. Nun, auf diese Weise gerate ich auch nicht in Versuchung. Auch ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Bildsteine, wie wir sie im Gotlandmuseum gesehen haben sollen in der Nähe von Buttle im Feld zu sehen sein, allerdings ohne nachgemalte Strukturen und recht verwittert. Wir fahren gut 30 Minuten dorthin. Mein Gott, ist Gotland groß. Über die Größe und damit verbundene Fahrzeiten habe ich mir zuvor keine Gedanken gemacht.
Die Bildsteine lohnen sich für uns. Das gesamte Setting ist angemessen. Es ist abgelegen, viel Tourismus ist hier nicht vorgesehen. Auf dem tatsächlich doch vorhandenen Parkplatz passen maximal fünf Fahrzeuge. Alles ist still, wie Sonntags. Die in unmittelbarer Nähe liegende Ausgrabungsstätte ist als solche nicht zu erkennen und lohnt sich im Gegensatz zu den Steinen nicht. Erklärt wird leider viel zu wenig, auch über die Steine.
Heute ist der Tag der prähistorischen Stätten. Wir wollen uns jetzt noch Schiffssetzungen ansehen und Kreisgräber und fahren dafür noch einmal gut eine halbe Stunde bis an die andere Seite von Gotland. Die Gnisvärds Schiffsetzung hat allerdings mehr versprochen als sie halten kann.
Schiffssetzungen sind zu sehen. Aber wir finden nur zwei von den angeblich dreien. Auch die Steinkreise sind bis auf einen nicht zu sehen. Vermutlich alles überwachsen. Die Stätte hinterläßt den Eindruck, dass Gotland nur verschämt mit seiner prähistorischen Vergangenheit umgeht. Wir entscheiden uns nach einem kurzen Rundgang weiter zu fahren.
Im Vorbeifahren sehen wir etwas, fahren zurück und entdecken eine Schiffssetzung im hohen Gras. Mit einem Schild daneben. Allerdings befindet sich allerlei auf dem Schild, aber kein Hinweis auf die Schiffssetzung.

Neben der Schiffssetzung steht ein Bildstein. Kein Wort darüber, ober es ein nachgemachter, ein Original oder was auch immer ist. Die haben hier tatsächlich ein Problem mit der prähistorischen Vergangenheit. Schade aber auch.
Von der Zufallsschiffsetzung bis zur nächsten Fischerstelle ist es nicht weit. Laut Reiseführer soll es eine der schönsten sein.

Nun, Schönheit ist relativ. Sie ist groß, von ehemals 100 Hütten stehen noch gut vierzig. Alle sind in gutem Zustand, nicht dem Verfall Preis gegeben und offensichtlich noch in Nutzung.

Eine hat man als Ausstellungsstück offengelassen. Wir können rein. Die Decke ist so niedrig, dass ich mir ordentlich den Kopf stoße.

Leider riecht es sehr streng auf dem ganzen Gelände. Die angespülten Algen vergammeln am Strand und stinken vor sich hin. Das ist nicht angenehm. Nur im Hafen scheint es nicht so zu riechen. Jugendliche treffen sich auf der Mole, springen von der Kaimauer ins kalte Naß, schwatzen und lachen und beugen sich über die Motoren ihrer Autos. Macht irgendwie den Eindruck, als wäre die Zeit stehen geblieben. In den fünfzigern und sechzigern waren es wohl bei uns anstelle der Autos Mopeds, habe ich mir sagen lassen.
Der Rückweg dauert jetzt über eine Stunde. Es ist schon spät. Dies Schiffssetzung direkt in der Nachbarschaft des Campingplatzes müssen wir auf morgen verschieben. Dennoch benötigen wir fast eine Stunde Fahrzeit zurück zum Campingplatz.

Bei der Ankunft sind wir erstaunt. Die niederländischen Nachbarn mit den beiden kleinen, sehr lebhaften Kindern sind weiter oder nach Hause gefahren. Das Zelt ist weg. Ich vermisse das Gequitsche.


