Regen, Oscar Wilde und Teeling

Bislang hatten wir Glück mit dem Wetter . . . .und auch heute spielt der Wettergott meistens mit. Meistens. Morgens regnet es, als wir das College verlassen und wir müssen uns im Ausgang des College zur Naussau Street unterstellen. Aber es ist nur ein Schauer. Die Temperaturen halten sich bislang auf max. 22 Grad, meist etwas darunter.

Inzwischen habe ich mich mit dem Stadtaufenthalt arrangiert. Gestern habe ich mit der Reise nach Dublin gehadert („Überall ist es voll und laut. Was machen wir eigentlich hier?“). Entsprechend hatte ich keine Lust zu fotografieren. Heute ist es anders, vielleicht war die Distillery gestern der Ausschlag? Oscar Wilde ist das erste Opfer neu erwachten Fotogeistes.

Oscar Wilde Staue im Park Merrion Square

Ich mag Oscar Wilde sehr. Aus meiner Sicht ist die Statue mit dem spöttischen Gesichtsausdruck gut gelungen. Sie steht in einem schönen Park, den wir trotz des frühen Vormittages nicht für uns allein haben.

Oscar Wilde

Irgendwo im Park macht eine Gruppe Yoga. Sieht aus wie im Film.

Merrion Square Park

 

Der regnerische Himmel erleichtert die Entscheidung, die National Gallery zu besuchen – kostenfreier Eintritt. Bemerkenswert, da hier auch die Kirchen ordentliche Eintrittsgelder erheben.

National Gallery

Wir laufen ohne Audioguide durch die Räume und geniessen die Wirkung von Raum und Bild. Für den Rest des Tages stärken wir uns im Museumscafe mit . . . ?? . . .  auf alle Fälle Kaloriendröhnungen mit Karamel und viel Schokolade.

Auf dem Weg zur nächsten Distillery Tour sonnen wir uns etwas im Park St. Stephen’s Green, der auch heute voller Menschen ist. Dem Andrang zu Folge müßte dieser Park wesentlich größer und mit viel, viel mehr Bänken ausgestattet sein. Öffentliche Toiletten gibt es in Dublin nicht, oder besser gesagt, nur in den Einkaufszentren. Daher entern wir St. Stephen’s Green Shopping Center und sind erstaunt.

St. Stephen’s Green Shopping Center

Es ist kein historisches Gebäude auf NEU gemacht, sondern in den 90gern des letzten Jahrhunderts bewußt so gebaut. Beim Verlassen laufen wir einer Gruppe Riverdance Mädels (5-12 Jahre) über den Weg und genießen die letzten Sekunden ihrer Vorführung. Zu kurz um Fotos zu machen.

Inzwischen ist von Regen keine Spur mehr zu fürchten und zu sehen. Es ist warm. Wir bummeln durch die Gegend und setzen uns auf dem Weg zur nächsten Distillery erst mal in ein Café und schaffen mit Kaffee und Kuchen eine Grundlage im Café Clement & Pekoe. Neben uns sitzt eine junge Frau und liest Kafka! Freiwillig! Beteuert sie zumindest. Ich versichere ihr meine Hochachtung und sie gesteht, dass sie sich noch nicht sicher ist, ob die Lektüre eine gute Idee gewesen ist – britisches Understatement. Im Zuge des weiteren Spaziergangs bewundern wir in Hauseingängen (die frei zugänglich sind natürlich nur) die Stuckarbeiten, die in Dublin in vielen Gebäuden sehenswert sind.

Die Besichtiung in der Teeling Distillery ist gut. Das Urteil geht auf die Rechnung von Marc, unserem Tourguide. Teeling selber ist hoch industriell und kämpft, wie Jameson und die anderen irischen Distillen, um die Abgrenzung zum dominaten Scotch Whisky. Auch bei Teeling läßt man keine Gelegenheit ungenutzt, die vermeintlich bessere Qualität der irischen Whiskeys gegenüber dem schottischen herauszustellen. Marc besorgt mir auf meine Bitte hin ein wenig Newmake, dem allerdings die Verwandschaft zum späteren Whiskey nicht stark anzumerken ist. Ich denke, dass die Blends von Teeling zu viel Fremdeinflüsse aus den Column Stills aufnehmen. Neben uns sitzt eine nette Amerikanerin, mit der wir uns angeregt, natürlich über Whiskey, unterhalten. Später kauft sie im Gift Shop ordentlich ein und schleppt alles auf’s Schiff.

Insgesamt ist für der hohe Anteil amerikanischer Touristen auffällig. Auch deutsche fallen immer wieder mal auf, aber die USA ist überall präsent. Nun, sie haben es auch einfacher, keine Sprachumstellung. Heike weiß nach Recherchen zu berichten, dass jährlich 11 Mio. Touristen nach Irland kommen, aber nur 5 Mio. Einwohner sich mit diesen „beschäftigen“. Gefühlt sind die 11 Mio. alle in diesem August hier in Dublin.

Am Abend gelingen uns, trotz erhöhtem Alkoholniveau im Blut, noch ein paar schöne Fotos vom College.

TCD – Trinity College Dublin
Haupteingang des Trinity College Dublin

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