Blair Atholl Castle – 1. Tag

Der angekündigte Regen ist ausgeblieben, stattdessen ein attraktiver Sonne-Wolken Mix mit max. 18 Grad. Hervorragendes Wetter (nicht nur, aber besonders) für den heutigen Tag.

Als wir aufstehen, 06:30, regnet es (noch). Aber schon auf dem Weg zur Dusche wird es trocken. Gott sei Dank. Heute finden Veranstaltungen unter freiem Himmel statt. Naß werden ist da nicht wirklich angesagt.

Noch gestern Abend habe ich online die Tickets für den Blair Castle Park and Garden gebucht. Voraussetzung für den Einlass zum Einmarsch der Blair Atholl Highlanders heute um 14:30. Aber ich habe auch noch mehr gebucht, zwei Karten für den Highlander Talk heute morgen um 11:00 im großen Saal des Castles. Ob wir dort überhaupt ein Wort verstehen werden müssen wir schlicht abwarten. Wenn die Menschen hier ihren Dialekt sprechen sind wir aufgeschmissen.

Vor dem Highlander Talk können wir im Garten des Castles noch etwas spazieren gehen. Aber die Anlage ist weitläufig. Mehr als ‚die Beine vertreten‘ wird es nicht. Zum Highlander Talk in den großen Saal werden wir persönlich geleitet. Ist aber Zufall. Die nette junge Frau an der Rezeption hatte nach ihrer Ablösung wohl mehr oder weniger den gleichen Weg.

Der erste Teil des Talks ist . . . . nicht so toll. Die Archivarin des Castles umreist in mehr als einer halben Stunde die Jahrhunderte dauernde Geschichte der Blair Atholl Highlander. Aber leider so unverständlich und derart leierig, es ist der Graus. Wir verstehen dank ihres Dialektes auch nicht das Meiste. Der zeite Teil ist schon viel besser. Ein Sergant der Blair Atholl Higlander erklärt, was es für ihn bedeutet Teil der Highlander zu sein und auf welche Weise der Tartan, den die Highlander über der Schulter tragen, gefaltet und gebunden wird. Darüber hinaus können anschließend zwei Freiwillige aus der Zuhörerschaft an den beiden anwesenden Highlandern ihr Glück versuchen und den Tartan binden. Den Sergant verstehen wir hervorragend. Er spricht laut und deutlich, ist es offensichtlich gewöhnt vorzutragen und vor Gruppen zu reden. Trotz Dialekt kriegen wir fast alles mit. Was ganz anders als Frau Archivarin! Der zweite Teil hat dann den Highlander Talk auch gerettet. Dafür hat es sich dann gelohnt. Den Abschluss des Talks bildet ein spontaner „Kurzvortrag“ des Vorgesetzten des Serganten. Er geht insbesondere darauf ein, warum es für die Highlander so wichtig ist, dass die Söhne, Kinder und Kindeskinder der Highlander auch Highlander werden. Haltung, Stimme, eigentlich alles an dem Man bringt Stolz zum Ausdruck, dass er ein Blair Atholl Highlander ist. Faszinierend.

Bis zum Einmarsch der Blair Atholl Highlander ist nach dem Talk noch viel Zeit und wir erkunden den Garten weiter. Diesmal einen anderen Teil. Wieviel Geld verdient man (oder bekommt man) eigentlich in Monat, wenn man in der Lage ist, so ein Anwesen zu unterhalten?! Unterschiedliche Gärten, mit Rotwildgehege, Castle, irrsinnig langen Zufahrtsalleen, alles top gepflegt. Mit den Geldern, die über die Besichtigungen eingenommen werden kann man das nicht decken. Mein Gott, sind die sozialen Unterschiede hier in UK krass und auch krass sichtbar.

Der Einmarsch der Blair Atholl Highlander folgt einem festen Protokoll. Alle Beteiligten betreiben den Einmarsch mit großem Ernst, unglaublicher Würde und sichtbarem Stolz.

Irgendwann im Zuge des Protokolls werden junge Rekruten aufgenommen und ‚alte Hasen‘ geehrt. Auch das Publikum klatscht bei jeder Ehrung begeistert, zumindest der Teil, der deutlich als Nicht-Tourist erkennbar ist. Bei den Touristen ist der Beifall eher gar nicht bis verhalten zu beobachten. Wissen sie auch nicht so recht mit dem ganzen Brimborium was anzufangen? Es sieht ja beeindruckend aus. Es ist aber kein Karneval, kein Fasching, kein Spaß. Das ist eine stolze und ernste militärische Tradition, die hier tatsächlich noch lebt. Ist alles was Tradition ist auch gut? Zumindest ist dieser Teil der Tradition sehr beschreibend für die Schotten. Das ist immer noch Teil der heutigen aktiven Kultur und nicht nur Teil einer unvergessenen Vergangenheit.

Nach dem Einmarsch kann Heikes Knie nicht mehr stehen, geschweige denn noch viel laufen. Also sitzen wir erst einmal auf einer Bank, fahren aber recht bald zurück zum Campingplatz. Wir sind heute absichtlich nicht mit dem nur selten fahrenden Bus hierhergekommen, weil ich so etwas (und schlechtes Wetter) befürchtete. Morgen müssen wir sowieso mit dem Camper noch einmal zum Castle. Am Sonntag gibt es keine Services! So einfach kann öffentlicher Personennahverkehr sein.

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