Blair Atholl Castle – Highland Games

Früh am Morgen, noch ist nicht viel los.

Heute hat der Wetterbericht gestimmt – leider! Immer wieder Regen.

Irgendwie scheint 06:30 unsere Uhrzeit zu sein. Wir sind dennoch irgendwie zu früh. Die Spiele beginnen erst um 10:00 Uhr, ab 09:00 machen die Tore des Castles erst auf. Wir bummeln extra so lange herum, dass wir auch tatsächlich erst nach 09:00 am Castle ankommen.

Man hat eine Wiese zum Parken freigegeben, erwartet also viele Besucher. Jetzt am Morgen sind nicht so viele da, wir sind aber beileibe nicht alleine. Einige Stände haben ihren Aufbau noch nicht vollständig abgeschlossen, andere verkaufen schon. An einem Stand mit Chutneys erfahren wir vom Betreiber, dass er auf zahlreichen Games seine Waren verkauft und es immer das Gleiche ist. Morgens früh kommen die Deutschen, danach erst kommen die Italiener und die Franzosen. Die Schotten kommen erst mittags und manchmal auch nur, wenn das Wetter gut ist. Aber hier auf Blair Castle hätte er noch nie gutes Wetter erlebt, jedoch immer viele Besucher. Na ja, das sind ja Aussichten.

In der Tat wird es dann auch erst tagsüber um die Mittagszeit wesentlich voller. Am Vormittag ist noch alles sehr kommod und keineswegs drängelig. Der Eindruck „viel zu viel Aufwand für so wenig Besucher“ drängt sich bei mir am Vormittag auf. Aber nur am Vormittag.

Vormittags hört man dann tatsächlich auch oft die deutsche Zunge. Wir schätzen, dass 50% der Besucher Deutsche sind. Der Rest verteilt sich auf allerlei Nationen, die Schotten sind wirklich noch in der Unterzahl. Viele Hobbyfotografen sind unter den Besuchern und wie alle anderen von den Wettkämpfen der Schwergewichtler fasziniert, Baumstammwerfen, Hammer werfen, Eisenkugel werfen. Tauziehen findet nicht statt. Jedenfalls nicht so lange wir uns die Spiele ansehen.

Parallel treten auf eine Bühne Tanzmädchen auf und werden von einer Jury bewertet. Sie tanzen immer und alle die gleichen Schritte und Abfolgen, meist in kleinen Gruppen mit max. vier Mädchen. Die älteren haben kompliziertere Abfolgen und tanzen nicht nur auf einer Stelle. Ob klein oder älter, alle Mädchen betreiben die Tanzerei mit großem Ernst, kommen mit frohen oder verkniffenen Gesichtern von der Bühne, je nachdem wie’s gelaufen ist.

Es wird immer voller. Das Volksfest ist im vollem Gange. Um 12:00 ist kein freier Platz mehr direkt an der Arena zu finden. Es ist tatsächlich ein Volksfest. Auswärts hört man immer weniger. Der Anteil der Jack Wolfskin Outdoorbekleidung* nimmt rapide ab. Viele Gäste sind auch im Kilt gekommen. Die Spiele sind für gut 40 % aller Besucher nebensächlich. Man hat sich Bier oder was zu essen gekauft, steht in Gruppen zusammen und schwatzt einen aus, spielt mit den Kindern. Der Rest schaut den Spielen zu und applaudiert mal mehr oder weniger heftig, wenn der Hammer besonders weit fliegt oder die Mädels besonders hübsch getanzt haben (in der Tat tanzt nur ein Junge mit).

Das Wetter ist alles andere als schön. Es scheint aber niemanden sonderlich zu stören. In der Arena nehmen die Athleten davon gar keine Notiz. Im T-Shirt (mit Kilt!!) wartet man geduldig im Regen bis man selber an der Reihe ist. Sicherheit wird nicht wirklich großgeschrieben. Der Hammerwerfer Bereich ist zwar mit einem Netz gesichert, aber man probt den Wurf trocken (ohne den Hammer loszulassen) während die anderen Wettkämpfer gerade mal knapp außerhalb des wirbelnden Hammers stehen. Während des Wettkampfes ist es offensichtlich guter Ton, dass die wartenden Athleten dem aktiven Athleten direkt gegenüberstehen, quasi als Ziel. Der Hammer, die Eisenkugel fliegt direkt auf die Wartenden zu. Mehrfach fliegt das Gewicht so weit, dass die Wartenden zur Seite treten müssen, damit sie nicht getroffen werden. Auch hier verkürzt man sich die Wartezeit mit einem Schwatz unter Gleichgesinnten. Und es kommt, wie es kommen muss . . . der Hammer verfehlt einen Unaufmerksamen nur, weil ihn ein anderer zur Seite stößt. Hat mich gleich gewundert, weshalb das Erste Hilfe Zelt so groß ausgefallen ist.

Die Blair Athol Highlander haben auch hier ihren Auftritt und einen Wettlauf. Bald danach verlassen wir aber die Spiele. Über fünf Stunden Highland Games waren dann genug für’s erste. Die Familienspiele bekommen wir nur noch am Rande mit, so u.a. den Wettlauf der fünf bis siebenjährigen Jungen und Mädchen, für den man sich spontan zur Teilnahme melden konnte.

Als wir die Spiele verlassen regnet es mal gerade nicht und wir fahren zum Aussichtspunkt Queens View, ganz in der Nähe, quasi auf dem Rückweg. Natürlich schränken Wolken die Sicht ein, aber ohne Regen ist schon mal was.

Wir sind früher als sonst am Camper. Leider kann ich die Zeit nicht gewinnbringend für das Tagebuch investieren. Irgendwie habe ich mit einer Kamera Sch…. gebaut. Die Bilder lassen sich nicht so ohne weiteres auf den PC übertragen. War gestern schon so, aber die vorgenommenen Änderungen haben wohl nicht geholfen. Also wieder reparieren und probieren. Nimmt Zeit in Anspruch.

*Für den deutschen Outdoorenthusiasten, der etwas auf sich hält, scheint diese Marke gleichbedeutend mit Urlaub, Freizeit, Outdoor und Wandern zu sein. In über 80 % der Fälle ist eine Person, die die Pfotenklamotten trägt, ein Mensch aus Good Old Germany. Von diesem Anteil kann man in Skandinavien fest ausgehen und hier, so scheint es, auch.

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