
Ich bin erschüttert! Boscastel ist nicht Port Quin!!
Ich hatte ein bestimmtes Bild im Kopf als wir heute, wegen der langen Fahrt nach Norden an der Küste entlang, etwas früher aufgestanden und losgefahren sind. Ich weiß, dass Erinnerungen trügen und nie die Wahrheit wiedergeben. Das zu wissen, ist die eine Seite. In Erinnerungsfallen zu tappen, ist die andere Seite, die erschütternde.
Zuerst aber sind wir einfach nur ein wenig enttäuscht. Die Wettervorhersage hat besseres Wetter angekündigt als es heute tatsächlich ist. Es regnet leicht, keine Sonne, es ist grau und diesig und wird immer windiger, je näher wir der Küste kommen.
Auf dem Parkplatz der Bedruthan Steps an den Klippen weht es ordentlich und die „Luftfeuchtigkeit“ ist hoch. Trotz Sonntag stehen hier nur ein paar einsame Autos. Aber immerhin. Wir sehen Jogger in kurzen Ärmeln und nackten Beinen. Andere Menschen sitzen trotz des Niederschlags auf einer der wenigen Bänke und schauen sinnend auf’s Meer. Ein Hundebesitzer geht im T-Shirt seinen Wauwau ausführen. Windstärke 4, 11 Grad Celsius, England.

Uns ist es definitiv für einen langen Aufenthalt zu ungemütlich. Wir fahren alsbald weiter, entscheiden uns aber gegen einen Auftenthalt in Padstow. Diesen kleinen Hafenort haben wir bei bestem Wetter kennengelernt. Heute kann er das nicht toppen und soll uns sonnig in Erinnerung bleiben. Statt dessen fahren wir nach Boscastle.
Als wir vom Hochland runter an die Küste fahren kann ich meinen Augen schon nicht trauen. Ich hatte das Bild von Port Quin vor Augen, einem verschlafenen kleinen, nein, kleinstem Nest an der Küste mit nur einem halben Dutzend Häusern an einem Naturhafen. Wir landen aber in einem ausgewachsenen Ort. Zu allem Überfluß meine ich mich daran zu erinnern, dass Heike UND ich hier waren, vor Jahren natürlich. Aber Heike schwört Stein und Bein darauf, dass sie heute hier zum ersten Mal ist.
Immerhin wird das Wetter ein wenig besser und wir können auch ohne Regen am Hafen entlangstreifen. Die Felsen sind aber glitschig und die Wege schlammig. Wir bleiben daher in der Bucht am Hafen in der Nähe des Ortes und laufen nicht raus zur See. Der Ort lockt uns mit einem Café, in dem Heike Kürbissuppe und ich einen Scone mit einer heißen Schokolade verdrücken.
Als wir weiterfahren regnet es schon wieder mal. Feiner Sprühregen. Von Boscastle fahren wir noch gut etwas über zwein Stunden durch die cornische Landschaft bis Somerset, der nächsten Grafschaft, in der unser Ziel, der Campingplatz in Minehead, liegt. Beim letzten Teil der Strecke haben wir nicht aufgepasst und sind dem Vorschlag des Navis einfach blind gefolgt. Das rächt sich jetzt. Die letzten 8 Meilen sind 8 Meilen single track road. Wenn man schon keine Lust mehr hat weiter zu fahren . . . und dann sowas. Einfach nur anstrengend.
Der Campingplatz liegt 25 Minuten Fußweg von der Strandpromenade des Ortes entfernt, aber wir haben keine Lust mehr und beenden den Tag mit Abendbrot und faul sein. Inzwischen endet auch wieder die Regenpausenzeit , ja die hat es tatsächlich während der single-track-road-Fahrt gegeben.
