Der Whisky Tag.
Cambrigde liegt im Prinzip vor den Toren Londons. Heutzutage im Zeitalter der Autobahnen und Individualfahrzeuge nur ein Katzensprung. Wir starten nicht all zu früh und sind kurz nach 1pm am Campingplatz, schon die Lebensmittel in Cambridge eingekauft, die wir jetzt in London bei und mit unserer Famile verbrauchen wollen und auch schon getankt (in Abbey Wood).
Die Spritpreise sind, seit dem wir im UK sind, kontinuierlich gestiegen. Inzwischen ist ein Preis unter 190 pence die Ausnahme. Die Preise gehen hoch bis zu 198,9p. Bin gespannt, was wir zu Hause bezahlen müssen.

Die Enkelin hat Schule bis 5pm, ihre Eltern müssen arbeiten, wir haben Zeit für uns. Den Nachmittag wollen wir daher noch einmal mit den Thema Whisky verbringen. Mit der Elizabeth Line fahren wir von Abbey Wood bis Bond Street und laufen die letze viertel Stunde durch das quirlige Soho.

Das kleine Geschäft von Cadenheads gefällt auch Heike. Leider ist der Guide, den ich beim Whiskytasting kennen gelernt habe, nicht anwesend, sondern ein Kollege. Dieser Mensch ist allerdings geeignet, die guten Eindruck von Cadenhead, den ich bislang gewonnen habe, wieder zunichte zu machen. Ich habe den Eindruck, dass wir stören. Er ist so was von gelangweilt. Wäre ich hier und heute auf Beratung angewiesen gewesen, ich wäre wohl ohne ‚Beute‘ aus dem Laden gegangen. Aber ich wußte, was ich probieren wollte und bin dann letztlich auch fündig geworden. Die Tropfen, die ich nun nach Hause nehme kann ich leider nach meinen Recherchen in Germany (zu einem geringereren Preis wg. der niedrigeren Brandweinsteuer) nicht erstehen.


Heute ist die Gelegenheit günstig. Wir haben Donnerstag, ein Wochentag mit „normalen“ Öffnungszeiten. Wir nutzen die sich bietende Chance und laufen von Cadenhead’s runter in Richtung St. James Park zum Stammgeschäft der Berry Bros. & Rudd. Ein uralter Wein- und Spiritousenhändler, Ende des 17. Jahrhunderts gegründet und immer noch aktiv. In 63 Pall Mall, London SW1Y 5HZ, sind heute ausgedehnte Verkaufsräume. Da Whisky-Enthusiasten allerdings auch Traditionalisten sind, hat Berry Bros. & Rudd in der Tat direkt um die Ecke und neben dem ursprünglichen Laden erst vor wenigen Jahren einen Verkaufsraum für Spirits, vor allem Whiskys, eingerichtet. Auf dem Foto, das die St. James Street 1 zeigt ist rechts des Hauses ein weißes Gebäude zu erkennen. Das ist die Adresse 63 Pall Mall. Der gesamte Eckblock ist somit in Händen der Berry Bros. & Rudd. Die Keller unter den Gebäuden sollen bis in eine Tiefe von 30 Metern reichen. und zahlreiche Flüssigkeiten bergen.
Darum können wir uns heute irgendwie nicht so recht kümmern. erstens fließt die Zeit dahin und der Zeitpunkt der Verabredung mit unserer Famile rückt immer näher und mich fesselt das Angebot im Verkaufsraum und die Auslage der besonders seltenen (und exorbitant teuern) Whiskys schon viel zu lange.
Einen Whisky wollte ich gerne mitnehmen. Das hatte ich so im Vorfeld angedacht. Aber stöbern, gaffen, gucken, nachfragen, probieren, reden und begeistert sein, führen schließlich nach einer Phase der Verunsichrung, des schlechten Gewissens und des dennoch gefassten Entschlusses zu zwei Beutestücken.
Die Zeit ist dahin gerast. Ich hatte noch daran gedacht, auf dem Weg zur familiären Verabredung in der Greek Street bei Milroy’s vorbei zu schauen, aber Zeit (und Geld) reichen dafür nicht mehr aus. Nun, wir kommen ja nochmal wieder.
Das Abendessen im Kreise der Familie ist vom Leid unserer Enkelin geprägt. Sie hat sich in der Schule auf die Zunge gebissen, aber ganz schön ordentlich. Der Schnitt, oder besser Biss, ist tief und hat einen gut sichtbaren Spalt in der Zunge hinterlassen. Reden und Essen ist nur eingeschränkt für sie möglich. Der Haussegen hängt entsprechend auf Halbmast. Nach dem Essen trennen sich unsere Wege und wir fahren zurück zum Campingplatz.
