
Wir versuchen mit unserer Enkelin zu tun, die ihre Eltern mit ihr nicht tun (können). Dazu gehört auch das Färben von Eiern für das kommende Osterfest. Erst werden sie gekocht, dann abgekühlt, mit Wachsmalstiften bemalt und final mit Naturfarben im Färbebad gefärbt. Eine Aktion, die sich lange hinzieht. Die Enkelin bleibt konzentriert dabei und macht alle Schritte begeistert mit. Die Naturfarben färben zwar, aber nicht so wirklich farbenfroh österlich, eher verhalten vornehm gedeckt. Na ja, man kann nicht alles haben.
Kekse backen ist auch so eine Aktivität. Die Kurze hat putzig per WhatsApp-Video darum gebeten mit ihr wieder Kekse zu backen . . . . „pliiiiiiies“. Echt hingebungsvoll wird Teig gerollt und ausgestochen. Die Kekse essen scheint während dieses Aufenthalts nicht im Vordergrund zu stehen. Es ging einfach nur um’s Herstellen.
Ausgeblasene Eier mit Wasserfarben bemalen ist nicht so ganz ihr Ding. Die Dinger kann man nicht fest in die Hand nehmen, sie sind so leicht und rutschen auch im Eierbecher rum und ausserdem macht man sich die Finger bunt. Das geht ja gar nicht. Pinsel, Eier und Farben werden mit spitzen Fingern angefasst. Das funktioniert natürlich nicht wirklich gut. Die Aktion dauert auch nicht lange und es werden nur wenige Eier fertig.
Schade ist, dass sowohl Heike als auch ich erkältet sind. Erst glauben wir noch an allergisches Nasenlaufen. Dann wird aber durch Kopfschmerzen (Martin) und Husten (Heike) schnell klar, das ist mehr. Leider schleppen wir uns damit in der Tat die wenigen Tager rum, die wir hier in London sind.
Für den 01.04. habe ich im Cadenhead’s Whisky Shop London ein Tasting gebucht. Ich sage nicht ab und gehe trotz Erkältung hin. Gott sei Dank geht es mir an dem Tag auch besser als am Vortag. Das war meine Hoffnung. Es ist dennoch ein Herausforderung. Wir sind nur zu viert. Zwei Mitarbeitende aus dem Shop, ein junger Man aus den Staaten und ich. Intensive Kommunikation ist möglich und fordert mich. Was haben sie gesagt?!?!?! Ach so! Und schon sind sie drei Sätze weiter. Alles ist so langsam im Kopf. Sch….! Aber der Whisky schmeckt dennoch hervorragend und ich erliege der Versuchung. Eine Glen Elgin-Glenlivet Einzelfaß Abfüllung in Faßstärke, 16 Jahre in einem Refill Puncheon gereift, verschwindet am Ende des Tastings in meinem Rucksack. Das besondere daran? Das ausgelaugte Holz (Refill) hat in dem Riesenfaß (500 bis 600 Liter Volumen) sehr geringen Einfluss auf das Destillat genommen. Der Tropfen ist harmonisch und rund.
Am Donnerstag kommt planmäßig die Ablösung, die rumänische Oma. Heike und ich nutzen die Gelegenheit und machen uns „vom Hoff“ und erkunden London. Diesmal zieht es uns zum Old Spitalfield Market . . .
. . . und Brick Lane Market. Eine abgefahrene Gegend! Hier zeigt sich, dass Graffiti mehr ist (oder sein kann) als Wandschmierereien.
Wir laufen von dort zu insgesamt vier Banksy Wandbildern / Graffitis durch eine faszinierend ordentliche, saubere, absolut ruhige und nahezu geputzte Wohngegend. Wir sind erstaunt und begeistert zugleich.
Die Banksy Murals sind – meiner Begeisterung für diesen Künstler zum Trotz – hier einfach völlig unspektakulär ohne größere Beachtung neben anderen Graffitis an ansonsten wenig fotogenen Stellen zu finden. So ganz ohne Beachtung sind sie allerdings offentsichtlich nicht, denn sie sind z.T. durch vorgesetzte Plexiglasscheiben vor Vandalismus geschützt. Am Besten gefällt mir das „I love London“ Mural.
Es gibt noch weitere Murals von ihm hier in London (oder gab?). Wir haben, denke ich, noch einige Male Gelegenheit sie (auf-)zusuchen.
Im Old Spitalfield Market, der im Wesentlichen ein Flohmarkt mit allerlei Gebrauchtartikeln ist, versuche übrigens ich ein Stemmeisen zu erstehen. Allerdings finde ich den Preis zu hoch, der Eigentümer läßt jedoch nicht mit sich handeln, vielmehr reagiert er verärgert auf mein Ansinnen und schimpft. Ich breche „die Verhandlungen“ ab und gehe meiner Wege. Eben kein Stemmeisen! Beschimpfen muss ich mich aber auch nicht lassen.
Im Prinzip haben wir nur von Montag bis Mittwoch auf die Kurze aufgepasst und sie „bespasst“. Den Donnerstag hatten wir schon für uns. Und für den Freitag, wenig religiös im UK als „Good Friday“ benannt, ist ein Ausflug nach Bromley geplant, einem Ort in dem die Londoner wohnen könnten . . . vielleicht . . . . oder doch nicht?!?!
