
Woolsthorpe Manor lag einfach nur günstig auf dem Weg zum Ziel. Als Geburtshaus von Issaac Newton hat es sich dann aber als spannendes Kleinod entpuppt, in dem wir im Prinzip nicht lange genug verweilt haben.
Wenn wir eine relativ lange Strecke zu bewältigen haben, suchen wir uns in der Regel kleinere Ausflugsorte oder Gärten des National Trusts nahe der Fahrtstrecke für eine ausgedehntere Pause aus. Das hat sich in der Vergangenheit mehr als einmal bewährt und uns die ein oder andere Überraschung eingebracht. Als ich Woolsthorpe Manor ausgesucht habe, hatte ich ehrlicher Weise nur die Kriterien im Sinn, liegt nicht weit von der Autobahn entfernt und ist kein großer und zeitraubender Palast einer adligen Familie.
‚Nicht zeitraubend‘ hat dann doch nicht so ganz hingehauen. Wir sind nicht so lange beblieben, wie wir hätten bleiben können, aber länger als wir dachten. Das eigentliche „Herrenhaus“ ist ein Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert. Da hier jedoch Issaac Newton als junger Erwachsener eine Zeitlang gelebt hat, ist ein Sience Center eingerichtet (sehr schön für Erwachsene, Jugendliche und vor allem Kinder). Der Apfelbaum, dessen herabfallender Apfel Newton zu seinen Lehrsätzen geführt hat wird auf dem Gelände regelrecht gefeiert.

Im Übrigen ist, bzw. war es einer der Sorte Flower of Kent, ein Kochapfel. Im Herrenhaus selber kann man die Räume sehen, in denen Newtons Familie und er mit den Bediensteten (!) gelebt hat. Im Prinzip nichts sonderlich sehenswertes. Schön ist, dass verschiedene Redensarten, die aus dieser Zeit kommen, im passenden Kontext erklärt werden.
Wir kommen also nicht Mittags, sondern erst am Nachmittag zur Kaffeezeit im Clumber Park an. Ein Riesenpark, der dem National Trust gehört und in dem unser Campingplatz für die Nacht liegt.
Wir wollen im Park spazieren gehen. Der Park ist allerdings kein Park im Park-Sinn. Es ist eher ein . . . sagen wir mal Landschaftspark. Bis zur Promenade am Clumber Lake soll es vom Campingplatz zwei Meilen weit sein, das sind rund 3,5 km. Wir laufen durch verschiedene, ansprechende Landschaftsabschnitte dorthin.


Der in der Vergangeheit im ausgedehnten Park vorhandene Sommersitz irgendeines Duke of keine-Ahnung-habe-ich-vergessen existiert nicht mehr. Heute ist der Park offensichtlich Ausflugsziel vieler Menschen, wie wir am großen Parkplatz, den wir aus der Ferne sehen, erkennen können. Hinzu kommt, dass der NT für Kinder irgendein Oster-Eier-Pappohren-Event ausgerichtet hat. Kleine und große Hasen mit albern bunten Pappohrkopfschmuck kommen uns entgegen. Da Heikes Fahrgestell nicht so mitspielt, laufen wir nicht so lange im Park herum, wie wir das so ursprünglich gedacht haben.
Weil ich somit noch etwas Bewegungsdrang habe, ‚inspiziere‘ ich den ziemlich großen Campingplatz mit zwei Servicehäusern und laufe alle Wege ab. Ich sehe nicht ein einziges anderes ausländisches Fahrzeug. Darüber hinaus sind die meisten Gäste mit Wohnwagen hier, nicht mit Wohnmobil, und es gibt zahlreiche kleinere Kinder, wenig Jugendliche oder ältere Kinder. Durch Zufall entdecke ich, dass heute ein Food Van hier halt gemacht hat. Es gibt Pizza. Ohne Rücksprache mit Heike entscheide ich mich für eine Pizza Shepherd für 13 GBP (kein Schnapper, aber tragbar). Heike belacht, aber billigt meine Wahl. Sie unterstellt mir, ich hätte die Pizza bevorzugt, weil die von ihr für heute vorgesehene Suppe nicht mein Ding ist. Hmmm. Wenn, dann hat das nur im Unterbewußtsein eine Rolle gespielt. Großes Indianerehrenwort!!!
Clumber Park hat inzwischen, wie Abbey Wood auch, ein leistungsfähiges Club Wlannetz. Hier ist es auch dringend notwendig. Ein Mobilfunksignal ist hier Fehlanzeige. Na ja, schließlich sind wir ja auch fast mittig im Park.
