Clumber Park – Thresfield / Wharfedale

Vor sieben Wochen, im Februar, war es hier im UK wärmer!

Heute ist es kalt wie im tiefen Winter. Es sind per Thermometer zwar knapp neun Grad am Nachmittag, aber der Sturm aus der Nacht ist noch nicht abgeklungen und es ist mehr als nur windig. Im Februar hatten wir Winterbekleidung dabei und letztlich, weil’s so warm war, zu viel zu warme Bekleidung. Diese Fahrt ist anders, genau umgekehrt befürchte ich. Ich habe kurzärmelige Hemden dabei!!

Auch wenn auf dem Campingplatz Clumber Park viele Kinder waren, wir hatten einen ruhigen Abend, aber keine stille Nacht; zwar war kein Auto zu hören, jedoch der Sturm! Ich konnte kein Fenster über Nacht auflassen. Ich hatte Angst das der Sturm es ausreißt. Selbst den Deckel für die Stromsteckdose am Auto mußte ich per Gummiband befestigen. Sie flatterte wie eine Fahne im Wind und hätte nicht mehr lange gehalten. Am Morgen war doch einiges auf dem Campingplatz nicht an der Stelle, an der es hätte sein sollen. 

Bis in die Midlands hat es im UK zahlreiche Autobahnen. So waren wir wieder auf ihnen unterwegs in Richtung „The North“ (Richtungsangabe auf den Wegweisern von Landstraßen und Autobahnen). Heike verzichtet auf die Besichtigung des Hauses der Bronté Schwestern und wir fahren statt dessen nach Bradford, ein Industrieort westl. von Leeds. Dort sehen wir uns Salt’s Mill und Saltaire an. Eine Welterbestätte mit gigantischen Ausmaßen. Die Südfront von Salt’s Mill ist über 500 m lang. 

Salt’s Mill Südseite
Nordseite am Fluss Aire aus Roberts Park fotografiert

Der Name Salt’s Mill ist dem Erbauer und Gründer Titus Salt geschuldet. Allerdings bedeutet Mill nicht Mühle. Hier wurde nie Korn gemahlen. In den Gebäuden sind Wolle und Kaschmier verarbeitet worden.

Der Name der Siedlung ist eine Zusammensetzung aus dem Nachnamen des Erbauers, Titus Salt, und dem Namen des Flusses, an dem der Komplex incl. Siedlung liegen, dem Fluß Aire.

Die gesamte Siedlung Saltair besteht aus hunderten von Häusern. Der Industriekomplex mit Park, Siedlung und Kanal wurde früher auf „der grünen Wiese“ vor Bradford errichtet, befindet sich jedoch jetzt innerhalb der Stadt. Es ist so kalt draussen, dass wir nicht alles anschauen.

Im alten Industriekomplex von Salt’s Mill sind heute Firmen untergebracht, Kunstgalerieen, Veranstaltungsräume.

Ich hatte auf ein vernünftiges Museum gehofft. Das fehlt jedoch. Insbesondere wenn „vernünftig“ im Vordergrund steht. Ein ziemlich langer Film erklärt die Geschichte, verherrlicht allerdings mehr den Gründer und Erbauer, seine Familie und die Person, die im letzten Jahrhundert Salt’s Mill zu dem gemacht hat was es heute ist. Wir müssen auf der Seite der Unesco nachschauen, aus welchem Grund Salt’s Mill und Saltaire in den Rang des Welterbes erhoben worden sind. Vor Ort wird das nicht dargelegt, erklärt oder vermittelt. Schade! Um in der Michelin Kategorisierung zu bleiben: Ein Stern! = es lohnt sich anzuhalten, wenn man sowieson dran vorbei fährt. 

Saltaire United Reformed Church – Eingangsbereich und Ostseite an der Victoria Road
Saltaire United Reformed Church

Insgesamt sind wir dennoch gute vier Stunden in der Welterbestätte und kaufen im Anschluss daran, Ostersonntag zum Trotz, im Tesco Express um die Ecke noch ein paar Lebensmittel ein. Ostern ist irgendwie doch überraschend gekommen und wir haben nicht alles für die wenigen Feiertage. 

Bevor wir auf dem Campingplatz einchecken, tanken wir noch. 189,9 pence werden für einen Liter Diesel aufgerufen. Die Irankrise ist leider auch hier angekommen.

Mir ist kalt, es regnet immer wieder und stürmisch ist es auch. Ich bin nicht gerade hervorragend gestimmt. Der Campingplatz gefällt mir nicht und ich baue das Auto schräg auf. Saltaire war auch nicht das, was ich von einer Welterbestätte erwartet habe und beim Einkauf haben wir die Papiertaschentücher vergessen. Draussen steht ein Wohnwagen, der blinkt mit bunten Lichtern vor sich hin. Irgendwie endet der Tag nicht glücklich und zufrieden.

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