
Wir haben uns als große Gruppe gefüllt und Punsch getrunken.
Beim Frühstück können wir die Wildschweine beobachten, sie beachten uns überhaupt nicht.

Heute soll es noch einmal Glas sein. Wir hatten an Pukeberg gedacht. Aber warum auch immer ich gestern meinte, die Firma in Nybro würde um 09:00 Uhr öffnen . . . . Sie tut es nicht. Und so lange wollen wir nicht warten. Wir fahren statt dessen nach Skruf. Skruf Glasbruk in Skruf.
Der Shop hat geöffnet. Niemand ist da. Nun, gehen wir erst einmal auf die hiesige Toilette. Irgendwann kommt eine nette Dame von der wir später im Gespräch erfahren, dass die ganze Firma 10 Menschen stark ist, wovon fünf Glasbläser sind, aber nur einer sei derzeit nicht im Urlaub. Auch sie ist in der Produktion beschäftigt und kann von ihrem Arbeitsplatz erkennen ob jemand in den Shop kommt. Dann kommt sie runter und verkauft.
Wir schauen uns im Anschluss die Hytta an, die Produktion. Wir können verfolgen, wie eine große rosa farbene Vase entsteht. Fotografieren ist leider verboten.
Während Målerås Glasbruk in Richtung Kunst orientiert ist, Kosta sowohl Kunstgegenstände als auch ‚benutzbares‘ Glas herstellt, wird hier in Skruf vorwiegend Benutzbares hergestellt. Vasen, Weingläser, Karaffen und viel mehr. Heike kann an zwei Gegenständen nicht vorbei. Ich meine es sind Vasen, sie sagt es sind Gläser. Sie sind auf alle Fälle aus Glas.
Die Sonne scheint und die Fahrt nach Karlshamn ist reibungslos. Wir nehmen selten die schnellste Route, die uns das Navigationssystem vorschlägt, sondern eine, die über Nebenstraßen zum Ziel führt. So auch heute und heute bleiben wir ohne Überraschung. Allerdings wird meine Hoffnung auch nicht erfüllt. Wir sehen keinen Elch am Straßenrand stehen und winken. Nun, er müsste ja nicht gerade winken.
In Karlshamn entern wir den Stellplatz am Hafen und zahlen mit der App GoMarina, die hier in Skandinavien m.W. sowohl in Dänemark, Norwegen und Schweden üblich ist. Zumindest habe ich sie schon sein Urzeiten auf dem Smartphone installiert und jetzt können wir sie wieder mal nutzen.
Danach laufen wir gut eine ¾ Stunde in die Stadt. Karlshamn ist schon nennenswert im Vergleich zu den kleinen Orten in Småland.
In Småland sahen alle Orte traurig und teilweise ärmlich und verfallen aus. Auch der Ort Skruf und trotz oder gerade wegen des nur kleinen Arbeitgebers Glashütte. „Glasreich“ ist eine Werbegeschichte, um mehr Tourismus in eine Gegend zu locken, die außer Wald nichts zu bieten hat.
In Karlshamn wollen wir das Punschmuseum besuchen und ein Bürgerwohnhaus aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert. Unser Weg führt über den Marktplatz an einem Stand mit schwedischen Erdbeeren vorbei. Für 65 Kronen können wir nicht wiederstehen und vertilgen die Beeren sofort auf einer Bank auf dem Marktplatz. Sehr schöne Beeren. Äußerst aromatisch. Teuer, aber den Preis wert.
Wir hatten zuvor noch nie wahrgenommen, dass Punsch in der schwedischen Vergangenheit DAS alkoholische Getränk war. Vor der Prohibition haben 4,5 Millionen Schweden 6 Millionen Liter Punsch in einem Jahr verputzt.
Punsch, ein Likör u.a. aus Arrak und Brantwein und anderen Zutaten, Zucker scheint eine der wichtigsten zu sein. Vor uns geht eine Gruppe mit Guide durch das Museum. Wir halten Abstand. Dadurch gehen wir erst in den Misch- und Etikettierraum nachdem die Gruppe das Tasting beendet hat. Und siehe da. Da steht noch was. Zwei verschiedene Sorten. Mit kleinen Pinnchen zum Probieren. Wir lassen uns nicht lange bitten. Sieht doch so aus, als wäre das Bestandteil des Museumsbesuches und -tickets. Hmmm. Später erfahren wir, dass dieser tolle Service nur geführten, großen Gruppen vorbehalten ist. Tja, dann waren wir beide halt eine große Gruppe, die nur zwei Pinnchen getrunken hat.
Wir besichtigen noch das Bürgerhaus und denken über die Unterschiede in den Häusern wohlhabender Kaufmannsbürgerfamilien in England und Schweden aus der viktorianischen Zeit nach.
Angeblich spielte der Tabakhandel in Karlshamn eine Rolle (sagt der Reiseführer). Aber ausser einem kleinen Ausstellungsraum im zentralen Museum von Karlshamn widmet man diesem vergangenen Wirtschaftszweig keine große Aufmerksamkeit. Leider ist die Ausstellung auch noch . . . nicht gut.

Mit einem Eis auf dem Marktplatz von Karlshamn in der Sonne beschießen wir Stadtspaziergang und Museumsbesuche.
Mittags habe ich das Auto auf dem Stellplatz absichtlich in den Schatten großer Bäume gestellt, weil das Auto sich in der Sonne schon heftig aufheizt. Jetzt am Abend wäre ein Sonnenstandplatz gar nicht so verkehrt. Mal sehen, wie es morgen zum Frühstück aussieht.

Exkurs zu A-Traktoren:
A-Traktoren sind in Schweden zu landwirtschaftlichen Zugfahrzeugen umgebaute Autos, meistens Fahrzeuge der Marke Volvo, die technisch auf 30 km/h begrenzt sind und mit einem AM-Führerschein gefahren werden dürfen.
Sie müssen als langsam fahrende Fahrzeuge gekennzeichnet sein, großes dreieckiges Warnschild am Heck.
In der Praxis sind A-Traktoren vor allem bei Jugendlichen beliebt, weil man sie schon ab 15 Jahren mit einem AM-Führerschein fahren darf. In ländlichen Gegenden sind sie oft die einzige einfache Möglichkeit, selbstständig zur Schule, zu Freunden oder zu Freizeitaktivitäten zu kommen. Für viele Jugendliche sind sie auch ein Lifestyle-Objekt: Man kann sie umbauen, personalisieren und damit sichtbar zur Jugendkultur gehören. Dazu kommt der soziale Faktor: A-Traktoren sind oft Treffpunkt, Statussymbol und Teil einer eigenen Szene. Dieser Szene ist im Gotland Museum ein eigener Raum mit zahlreichen bemerkenswerten Fotos von Menschen in und mit ihrem Fahrzeug gewidmet worden.



