
Ein Radrennen sorgt für Unmut.
Am Morgen kämpfen wir mit dem Gras. Der Platz auf dem wir stehen, ist gemäht worden. Eigentlich schon vor Tagen, aber Gras ist noch überall, bleibt an den Schuhen haften. Auch wischen und putzen hilft nicht völlig, wir holen uns davon mehr als wir wollen ins Auto. Und einer der Grashalme hat es gestern Abend wohl auch bis ins Bett geschafft, wie ich morgens beim Betten machen feststellen muss.
Der Platz selber ist tausendmal besser, als der Stellplatz im Hafen von Køge, den wir ursprünglich ansteuern wollten, dennoch fühle ich mich nicht wohl. Der Angelteich hat ziemlich viele junge Männer angezogen, die mit offensichtlich wenig Erfolg, aber großer Ausdauer und Begeisterung buntes Blech oder farbiges Plastik im schlammbraunen Wasser gegen Gebühr baden . . . und jede Menge Bier in Dosen konsumieren. Aber dennoch die Nacht ist ruhig geblieben. Vielleicht auch deshalb, weil diese Herren schon früh am Morgen wieder am Teich stehen und die Ruten schwingen.
Heute Vormittag wollen wir die letztentdeckte Wikingerburg in Køge ansehen. Die kennen wir noch nicht. Dann haben wir alle fünf in Dänemark und im Zuge dieser Reise auch die sechste in Schweden gesehen (bei letzterer ist allerdings umstritten, ob Harald Blauzahn der Veranlasser ist und sie gehört auch nicht zum Weltkulturerbe der fünf).
Aber ein Radrennen verhindert vorerst, dass wir zum Ziel kommen. Für die erste nicht angekündigte Straßensperrung habe ich ja noch Verständnis. Wir sind tief im dänischen Hinterland. Keine Ankündigung, plötzlich eine Sperrschranke quer über die Straße. Eine Dame klärt uns auf. Heute sei hier kein Durchkommen, nur für Anlieger und nur in Begleitung einer Motorradstreife! Und wir kommen wir dorthin, wo wir hinwollen? Also hierher auf keinen Fall! Und Schluss! Hmmmm. Na gut, wozu hat man Google Maps.
Aber auch Mr. America weiß von dem Radrennen nichts, führt uns direkt in die nächste Sperrung. Wieder ohne Ankündigung. Warum auch?! Einfach eine Schranke quer über die Straße und fertig ist die Streckensicherung. Diesmal ist es ein Herr der uns aufklärt und eine nicht von Google angezeigte Alternative vorschlägt. Sie führt in einem Riesenbogen um das „Sperrgebiet“ herum. Wir sind gut eine ¾ Stunde unterwegs für eine Strecke, die unter normalen Bedingungen ca. 15 Minuten lang gewesen wäre. Ich bin endlos begeistert.
Dafür ist dann die Begeisterung über das Museum echt und unverfälscht. Der ‚Borgring‘ ist nicht sehr gut nachgestaltet. Viel mehr als eine Andeutung des irdenen Burgrings ist es nicht, zusätzlich garniert mit ein paar Stahlstäben, die die Außenbefestigung symbolisieren sollen. Sie sind zu hoch, suggerieren eine Mächtigkeit des Ringes, die nie realisiert war.

Das Museum selber ist ‚ne Wucht. Die Götterwelt der Asen und Wanen, an die die Wikinger geglaubt haben, wird denen des Christentums gegenübergestellt (H.B. hat das Christentum in Dänemark eingeführt) und Merkmale des Einführungs- und Übergangsprozesses herausgestellt. Mythisch und Mystisch aufgezogen mit zahlreichen Fakten und Wissenschaftlern (per Video), die ihre Interpretation der Fakten darlegen. Ein Museum, dass einer Welterbestätte würdig ist (Oh Pathos!).

Erwähnenswert ist, dass es voll ist. Als wir ankommen sind alle Parkplätze belegt. Ein Mittelalter- / Wikingerevent mit Markt und Kampf und Bogenschießen und Kinderspaß lockt viele Menschen an. Dass es hin und wieder regnet scheint nicht viele Menschen zu stören. Wie in Ribe und Haitabu sind es auch hier Hobby-Wikinger, die die einzelnen Stände betreiben. Sie wohnen hier allerdings nicht für eine ganze Saison, wie in Ribe.
Heute werden wir Dänemark verlassen. Wir wollen noch dänischen Käse mitnehmen. Trotz Sonntag haben die Lebensmittelgeschäfte in diesem sympathischen Land geöffnet. Dummerweise schauen wir nicht richtig nach, fahren zum per Internet gefundenen Geschäft, dann die gleiche Strecke zurück, um zur Autobahn zu gelangen. Und fahren kurz vor der Autobahn an einem Lebensmittelgeschäft vorbei . . . . Planung ist alles!!
Die Fahrt nach Rendsburg ist im Wesentlichen ohne weitere Zwischenfälle oder Besonderheiten. Wir fahren über die Große Belt Brücke und zahlen auf Grund der Erfahrungen mit der Øresundbrücke nicht bar, obwohl wir immer noch Unmengen dänisches Bargeld haben, schon seit Jahren. Irgendwie werden wir es nicht los. Auch im Museum haben sie sich nur per Karte bezahlen lassen.
Der Stellplatz in Rendsburg ist bestimmt belegt, ist unsere Annahme. Er soll wegen der Nähe zur Innenstadt sehr beliebt sein. Als wir ankommen scheint sich die Annahme auch zu bestätigen, auf dem ersten Blick sehen wir keinen freien Platz. Aber so schlimm ist es dann doch nicht. Er ist sehr gut besucht, für uns gibt es aber noch Auswahl. Für weniger Geld stehen wir hier wesentlich besser als auf dem Grasplatz in der Nähe von Køge und das Sanitärhaus ist die Wucht. Nikcht nur voneinander getrennte Toiletten und Duschen (ist weit verbreitet), sondern mehrere komplette Badezimmer stehen den Gästen zur Verfügung.
Da wir spät ankommen ist der Tag nach einem Spaziergang im feinen Nieselregen auch schon beendet. Von REndsburg sehen wir nicht viel, zumindest nicht von der Innenstadt, in deren Nähe wir ja heute campieren. Abendbrot essen, Betten machen und der Tag ist zu Ende.
