
Wir starten heute erst um 10:00 Uhr. Angenehm. Zeit für ein full english breakfast.
Zumindest werben sie hier im Hotel damit. Aber ich habe Pech, nicht vorgebucht und daher gibt es heute nichts für mich! Sch….! Okay. Dann buche ich jetzt schon mal für morgen, denn Lunch werde ich morgen während der Heimreise wohl kaum bekommen.
Ich suche mir eine Frühstücks- und Kaffeemöglichkeit in der angrenzenden Fußgängerzone. Seufz. Für 7 GBP bekomme ich einen so was von schlechten Kaffee. Seine beste Eigenschaft ist, er ist warm. Dazu esse ich ein kleines (!) Sandwich. Das Frühstück im Hotel kostet ca. 12 GBP. Na ja. Morgen!
Die Busfahrt zur Clydeside Distillery geht auch schief. Wir finden die Bushaltestelle nicht. Himmel, hier gibt es tausend Busse und abertausend Haltestellen. Wir gehen kurzerhand zu Fuß, ca. 45 Minuten. Nur wenige Minuten vor Beginn der Führung kommen wir am ehemaligen Hafen und der Destille an.

Die Führung ist nicht weiter erwähnenswert. Das Tasting im Anschluss leider auch nicht. Die Whiskys schmecken mir in keiner Weise. Ich nutze die auf dem Tisch angebotene Möglichkeit, nicht vollständig ausgetrunkene Gläser in einen Auffangbehälter zu leeren. Aber fotogen ist die Destille allemal.
Nach dieser mitglückten Erfahrung nimmt und Max in Empfang, der Brand Ambassadeur für A.D. Rattray und Clydeside. Gott sei Dank geht es um die von A.D. Rattray abgefüllten Whiskys. Wir haben einen angenehmen Tastingraum, der gerade mal so für uns ausreicht. Hervorragende Aussicht und hervorragende Whiskys. Endlich die richtigen Whiskys! Dennoch kaufe ich nichts. A.D. Rattray hat einen deutschen Importeur und daheim ist es preisgünstiger.
Erst am Abend soll es mit einem finalen Pub Crawl für diese Reise weitergehen. Bis dahin „Freizeit“. Mit der Reiseleitung und einem anderen Mitreisenden probieren wir erst einmal weitere A.D. Rattray Whiskys in der Bar der Destille (Dailuane 12y, Balbair 12y und Bunnahabhain 12y -nicht ich, ist rauchig-).

Zusätzlich vertilge ich einen Cheddar mit Chutney und kleinen Plätzchen. Während die Reiseleitung noch mal zum Hotel zurückläuft, gehe ich in Begleitung spazieren, am River Clyde entlang, durch das (oder ein?) Veranstaltungszentrum, am River Kelvin entlang und landen in einem Park. Dort machen wir in der Sonne erst einmal Pause. Ist ja anstrengend, so ein Tag.
Im Park beobachten wir junge Frauen, die mit ihren Hunden spielen. Einer von den Hunden hört auf den Namen Whisky. Ein gutes Omen.

Die Bar The Islay Inn ist nicht gerade gemütlich. Wir sind im Wesentlichen für ein frühes Abendessen hier. Fünf von sieben Mitreisenden bestellen Haggis. Es schmeckt vorzüglich.
Eine Cola reicht mir dazu. Ich hoffe ja noch auf leckere Tropfen im weiteren Verlauf des Abends. unser Reiseleiter entdeckt dann auch gleich einen uns bislang unbekannten unabhängigen Abfüller (The Merchant’s) und bringt uns drei Kostproben seiner Kunst. Aber . . . . niemand ist überzeugt. Ich kann mir vorstellen, dass alle, die sie gekostet haben, Abfüller und Whisky am Ende der Reise schon vergessen haben.
Mit dem Taxi fahren wir in die Innenstadt zur Scotia Bar. Tudor Stil, niedrig, schummerig, alte und neue Geldscheine aus der ganzen Welt hängen von der Decke. Whiskys! Ich bestelle einen Glen Scotia und bin leider nicht zufrieden. Peated! Alle anderen genießen die Biere des Pubs. Immerhin einen Dram in der ältesten Bar Glasgows genossen.

Wir laufen zum The Griffin. Auf dem Weg zu dieser Bar laufen wir an einer Freilichtwaschstation vorbei. Habe ich woanders noch nicht wahrgenommen.

The Griffin bietet was für’s Auge. Sehr ansehnlich. Aber viel Bier und für mich eine Cola! Dieser Pub Crawl hat den Schwerpunkt Bier. Darauf habe ich keine Lust und würde mich am liebsten abseilen. Die nächste Station liegt noch näher in Richtung Hotel, also bleibe ich erst einmal dabei.

The Shilling Brewery ist bemerkenswert. Eine alte Bank. Allerdings ist sie jetzt eher hip eingerichtet. Viele junge Leute. Wir sind die Senioren. Es wird ein Quiz gespielt. Bingo- und Quizabende sind in britischen Bars üblich.

Erwähnenswert: die Toiletten sind im ehemaligen Tresorraum untergebracht, hinter den Panzertüren.

Es ist laut im Ausschankraum. Es gibt viele verschiedene Biere. Allerdings sehr lecker. Ich trinke diesmal (aus lauter Verzweiflung?) ein kleines Stout und versuche meinen verfrühten Abgang vorzubereiten. Aber es gelingt nicht. Dem Reiseleiter gelingt es, mich mit der nächsten Bar zu locken.
The Valinch entpuppt sich als die beste Bar auf dieser Reise. Nicht wg. des Alters, sie ist erst seit ca. 14 Tagen in Betrieb, auch nicht des Aussehens wegen, alles ist neu und hell und freundlich, sondern der Whiskyauswahl wegen. Fast ausschließlich Tropfen unabhängiger Abfüller. Hervorragend. Eine fantastische Auswahl. Ich wähle einen Longmorn von Berry Brother’s & Rudd. Lautes Hallo lenkt irgendwann unsere Aufmerksamkeit auf einen Riesen-Schotten. Er erkennt unseren Reiseleiter. Sie kennen sich von irgendeiner Messe. Viel Austausch und toll dich zu sehen. Wir bekommen schnell zu wissen, dass es der Eigentümer von Dram Mor ist.

Er spendiert allen einen Whisky (Dailuaine 12y.) weil wir nicht alle seine Abfüllungen kennen.

Da er eigentlich eine andere Verabredung hat, verlässt er uns irgendwann. Unser Reiseleiter ist in Sachen Whisky nicht feige und schleppt einen weiteren Tropfen aus der Glasgow Distillery an, abgefüllt von Fragrant Drops. Ein Meisterstück.
Meine Mitreisenden haben schon ordentlich dem schottischen Biere zugesprochen. Die Whiskys entfallten daher schnell eine spannende Wirkung. Die Artikulation einerseits und die stringente Argumentation im Gespräch andererseits . . . . leiden etwas! Auch mir steigt der Alc. inzwischen in den Kopf und ich verabschiede mich ins Bett. Schade, dass diese Bar so weit von zu Hause entfernt ist. Hier kann man sooooo viele Tropfen testen, besser geht es nicht.

