Auch wenn man die Phrase hier benutzt, gesehen, haben wir sie erstmals auf der Isle of Mull.
Sicherheitshalber verzichte ich auf’s Frühstückl. Der Bauch ist noch nicht ganz eingerenkt. Kocher mit Tee auf dem Zimmer müssen heute als medizinische Versorgung herhalten und ausreichen.
Wir nehmen die Bahn von Glasgow Central nach Inverkip und wollen von dort mit dem Taxi weiter zur Ardgowan Distillery.
In Inverkip treffen wir den Taxifahrer von gestern (Glasgow Distillery) vor dem Hotel Inverkip. Im Hotel trinken wir zuvor einen Kaffee und naschen zwei Shortbreads.

Das Hotel ist merkenswert. Ein Whiskyhotel. Es macht einen sehr, sehr guten und gemütlichen Eindruck, liegt preislich aber wohl auch über der 120 GBP Grenze. Als Camper bin ich Hotelpreise nicht mehr gewohnt.
Es regnet die ganze Zeit. Wir haben richtiges schottisches Wetter.
In der Ardgowan Distillery werden wir von Helmut geführt. Ein Deutscher. Das war so nicht von mir erwartet aber vom Reiseleiter tatsächlich über den dtsch. Importeur Kammer Kirsch organisiert, angenehme. Wir haben eine exklusive Führung gebucht, sind aber nicht allein. Ein Schweizer stößt noch zur Tour. Er ist mit der dtsch. Sprache einverstanden, wir mit ihm. Die Tour ist sehr angenehm.
Helmut lässt alles weg, was wir ohnehin schon wissen und erzählt mit großem Geschick nur die Dinge, die in dieser Destille anders sind als in anderen Gefilden. Diese Abkürzung ist äußerst sympathisch. Zum Ende der Tour dürfen wir den ersten Whisky der Tour im Privat Warehouse genießen. Dort lagern nur Hogshead Fässer, die bereits verkauft worden sind. Ansonsten hat die Brennerei nur Infinity Casks, besonders große Sherryfässer, 700 l Inhalt. Die Grenze, nach den schottischen Bestimmungen.
Das eigentliche Tasting mit zwei weiteren Whiskys findet im alten Teil der Destille statt.
Noch gibt es keinen eigenen Whiskys der Brennerei. Sie tritt daher als unabhängiger Abfüller Clydebuild auf. Mit zwei anderen Interessenten nehme ich die Möglichkeit wahr, drei zusätzliche Whiskys zu probieren, natürlich gegen eine -in der Tat- geringe Gebühr. Ich kann gegen keinen der probierten Whiskys etwas sagen. Alles ganz hervorragend und zur Oberklasse gehörend. Die letzten beiden bei mir im Schrank . . . das könnte ich mir gut vorstellen. Schon jetzt steht fest, Ardgowan ist ein weiteres tripple A Highlight der Reise.
Mit dem Taxi geht es zur Glengoyne Distillery, der einzigen, die sowohl in den High- als auch den Lowlands liegt. Auch wenn die Gebäude schick aussehen, die Tour bleibt hinter den Erwartungen zurück. Sehr „lackiert“ und auf Massenware ausgerichtet. Nicht gerade erlebenswert, aber wenn man die Produktion sehen will . . . .
Das Tasting selber ist besser. Der Tastingraum recht gemütlich. Es werden drei Tropfen kredenzt, u.a. ein 18- und ein 21jähriger Whisky. Die Kombination mit der angebotenen Schokolade ist sehr angenehm. Passt jeweils gut zusammen. Eine Chocolaterie aus Edinburgh hat sie für Glengoyne hergestellt. Aber dennoch werden meine Geschmacksnerven, die Nase und die Kauflust nicht dazu angeregt, die Whiskys für die Kategorie „Der-sollte-auch-in-meinem-Schrank-stehen“ vorzumerken.
Interessant ist das Display, das uns am Ende der Führung gezeigt wird. Flaschen bis zu einem Alter von 29 Jahren mit Whisky aus verschiedenen Fässern, ihre Mengen- und Farbentwicklung über diese Zeit,
Am Abend haben wir, zurück in Glasgow, ein Privat Tasting im Pot Still gebucht.

Meine Erwartungshaltung ist hoch, immerhin hat es 60 GBP gekostet. Die Erwartungshaltung wird erfüllt, aber mit Problemen. Das Tasting findet im Schankraum auf der Galerie statt. Die Geräuschkulisse ist erheblich. Die junge Frau, die das Tasting leitet ist leider nur mit hoher Konzentration zu verstehen, zumal sie einen schottischen, wenn auch zurückhaltenden Akzent hat. Eigentlich sogar einen ganz attraktiven. Einer der Mitreisenden „schaltet ab“. Ich habe das Glück direkt gegenüber der jungen Dame zu sitzen und bekomme insoweit vergleichsweise viel mit.
Die Whiskys sind alle interessant. Es ist auch einer dabei, der die o.g. Kategoriebedingungen erfüllt.
Ein Mitreisender und ich beschließen eine Flasche des Lochlea zu erwerben und zu teilen. Ein sehr junger Whisky, der noch sehr viel vom New Make mitbringt.

Der genannte Mitreisende, der Reiseleiter, noch ein weiterer Mitleidender und ich bleiben länger und genießen noch den ein oder anderen Dram. Ich muss mit etwas Erschütterung feststellen, dass ich nicht mehr weiß, welche.
Sheila hieß die junge Dame, die das Tasting geleitet hat. Sie war sehr nervös nachdem sie erfahren hatte, für wen sie das Tasting leitet (unser Reiseleiter hat offensichtlich einen Ruf in Schottland). Sie hat ihre Sache trotz spürbarer Nervosität so gut gemacht, dass ich ihr unbedingt einen Extratip direkt in die Hand drücken möchte (oder war es tatsächlich eine charmate Form von ADHS, wie ein Mitreisender diagnostiziert). Wir sind aber zu lange geblieben. Sie hat schon Feierabend. Aber das Glück ist mir hold. Ich treffe sie noch vor dem Pot Still und kann mein Vorhaben vollenden.


