
„Umzug“ nach Glasgow via Falkirk und Blackness.
Ich stehe erst spät auf, 08:00. Frühstück für 9 GBP (2 kleine Ofenaufbackcroissants, 2 -allerdings gute- Kaffees, 1 Müsli). Das Ibis Budget ist in meinen Augen nicht wirklich Budget, die erste Nacht hat 98,10 GBP gekostet, die zweite 196,20 GBP -wg. des Wochenendes-. Aber alles andere scheint preislich noch höher zu liegen. Heike war die ganze Zeit auf Langeogg und ist gestern zu Hause angekommen. Heute Morgen telefonieren wir erst mal.
Mit dem Taxi geht es ins Falkirk Council zur Falkirk Distillery, eine sehr junge Destille, die allerdings schon ihren ersten Whisky hat.

Schon bei der Einfahrt auf das Gelände merke ich, irgendwie stimmt hier was nicht. Es dauert auch nicht lange, ein kleiner Gang über das Gelände, ein erstes Gespräch mit den Mitarbeiter*innen, ein Blick in diverse Räume. Die Destille ruht. Die Investitionen sind gestoppt. Der Ausbau verlangsamt. Einer der Mitarbeiter bestätigt, dass in 2026 kein einziger Tropfen gebrannt worden ist, der letzte Spirit wurde 2025 (wann?) gebrannt. Staub ist in den Produktionsräumen zu sehen. Schade für die Mitarbeiter*innen, schade für die Region. Da waren die Ziele der investierenden Familie wohl zu hochgesteckt.
Wir sind nicht allein in der Führung, die von zwei Personen (m/w) durchgeführt wird. Die Whiskys sind nicht schlecht, aber keiner davon gehört in die Kategorie „den-hätte-ich-gerne-in-meinem-Schrank“.
Man ist in der Destille stolz darauf, dass auf dem Firmengelände ein Film gedreht wurde. „Glenrothan„, ein Familiendrama, in dem eine Destille eine wesentliche Rolle spielt.

Der nächste Stop ist das Falkirk Wheel. Auch hier sind Heike und ich schon mal gewesen. Ein Touristenmagnet erster Güte. Auch heute ist hier einiges los, aber von voll ist es noch weit entfernt.
Mehr als eine halbe Stunde haben wir bei unserem engen Programm für diese Attraktion nicht. Sind ja schließlich in Sachen Whisky unterwegs und nicht auf touristischer Erkundungsfahrt!
Das Taxi bringt uns zur Rosebank Distillery. Einer Location, die geschlossen, stillgelegt, renoviert und wieder eröffnet worden ist.
Die Whiskys werden hochpreisig gehandelt – warum auch immer. Wir haben nur Zeit für einen kleinen Rundgang durch das Hochglanz-Besucherzentrum, in dem nichts, aber auch gar nichts los ist. Die beiden jungen Leute darin scheinen froh zu sein, dass überhaupt jemand kommt und mit ihnen redet. Für mich schauen sie traurig aus der Wäsche, als wir schon nach einem kurzen Schwatz wieder verschwinden. Die Blackness Bay Distillery ruft. Eine Microdestille und von allen Micros auch noch die kleinste.
Wir sind zu früh dort. Wenn auch nur eine halbe Stunde. Das ist ein Zeitfenster, das reicht nicht für sie und nicht für ihn. Blackness scheint für das gleichnamige Castle bei Damen mittleren Alters besonders bekannt zu sein. Eine Fernsehserie mit Namen Outlander ist offenbar daran schuld, lerne ich in diesem Küstenort. Er ist typisch englisch, nicht schön, nicht häßlich, etwas verfallen, etwas pittoresk. Wir laufen zum Castle und retur. Für mehr reicht die Zeit dann auch nicht.
Die „Führung“ beginnt eigentlich recht vielversprechend mit einem auf dem Dudelsack gespielten Stück.
Catweazle ist unser Guide und macht seine Sache anfänglich recht gut. Der vergessliche alte Opa mit englischem Humor. Aber schon bald übertreibt er die Show. Fix wird klar, er ist sich sein liebster Zuhörer. Ein Selbstdarsteller vor dem Herrn. Insgesamt dauert die Führung auf Grund der vielen, nicht immer passenden Storys und seines Gehampels gute zwei Stunden! In der kleinsten Microdestille, die das Königreich zu bieten hat!
Leider sind die hergestellten Tropfen, die uns in allerlei Zuständen kredenzt werden, mehr als nur schlecht, ungenießbar! Viel zu stark aromatisiert, Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf sind nicht sauber getrennt worden, zu viel Methanol in der Nase und auf der Zunge. Ich entsorge jedes der angebotenen Getränke in einem Ausguss (hoffentlich ungesehen). Das Leben ist nicht lang genug, um diese Führung zu besuchen. So’n Sch . . . . Niemand aus der Gruppe ist zufrieden. Alle lästern mehr oder weniger.
Im Lokal Lobster Pot haben wir einen Tisch bestellt.

Weil Catweazle zeitlich aus dem Ruder gelaufen ist, haben wir leider ein Zeitproblem und können nicht so lange bei Tische weilen, wie das leckere Essen und die nette Atmosphäre das nahe legen. Hektisch müssen wir am Ende des vorzüglichen Mahls um halb acht zurück zum Taxi. Der Fahrer hat heute noch andere Touren.

Den Loibster Pot möchte ich mir allerdings merken. Lokal gefangener Hummer (aus dem Firth of Forth) für 35 bis 49 GBP, verführerisch. Wir hatten ein 3-Gänge-Menü vorbestellt: frittierten Haggis, Seefrüchte-Maccaroni, Käsekuchen mit Eis.
Nach Glasgow ist es noch eine 45‘-Fahrt durch die Dunkelheit. Es regnet immer wieder. Das Wetter war bislang gut, wird jetzt offensichtlich schlechter.
Im Programm ist vorgesehen, einen Pub in Glasgow nach dem Check-In im Hotel zu besuchen. Aber heute nicht mit mir. Ich bleibe im Hotel und verschwinde früh ins Bett. Die Aussicht aus dem Hotelfenster ist sehenswert, 12. Stock, immerhin.

