Die Gruppe ist heute geteilt. Wir fahren zu viert per Taxi zur Glenkinchie Distillery (per ÖPNV nahezu unmöglich), die ich 2015 mit der Doppelkopftruppe schon mal besucht habe. Jetzt hat die Destille ein modernes Besucherzentrum. Schick designed. Wir sind ein paar Minuten zu früh da und laufen durch den Garten bevor die Destille die Pforten für uns öffnet.
Wir haben eine eigene Tour, nur wir vier. John W. führt uns. Er macht seine Sache gut. Allerdings ist die Tour bei allem was recht ist, ziemlich touristisch. Wir werden durch viel Ausstellungsraum geführt mit Ausstellungsstücken zu denen er allerlei erzählt. Richtig interessant ist für mich nur die Verbindung von Glenkinchie zu Johnny Walker und die Geschichte der beiden Unternehmen. Da uns der Weg recht umfänglich durch die Ausstellung geführt hat ist die Verweildauer in den Produktionsräumen (die ich, jucheee, wiedererkannt habe) recht kurz. Darüber hinaus wird heute scheinbar nicht produziert, obwohl hier und da ein Mitarbeiter durch die Szenerie geistert. Schade. Ich hätte gerne mehr von der Produktion gesehen. Aber die für Besucher freigegebenen Bereiche sind hart reglementiert, man darf z.B. nicht in die worm tubs schauen!
Dann widmen wir uns den Destillaten. Das erste dürfen wir aus dem Faß ziehen, nachdem wir die Qual der Wahl hatten (Auswahl aus zwei Fässern). Ein hervorragender Tropfen. Gäbe es den zu kaufen . . . . .
Im Tastingraum dürfen wir noch einmal vier verschiedene Produkte der Firma genießen. Kein Whisky ist unangenehm oder schmeckt nicht, alle sind sehr gut, aber der Beste war immer noch der Erste.
Mit dem Taxi geht es zurück nach Edinburgh. Wir treffen die anderen an der Waverly Train Station, weil wir jetzt für einen Ausflug nach Glasgow wollen. Vorher muss aber was in den Magen, trotz Frühstück muss ich was essen, sonst wird die Wirkung des vielen Alcs heute unangenehm. Unser Reiseleiter führt uns ins Wetherspoon, einer Burgerschmiede im ehemaligen Booking Office über dem Bahnhof. Das war leider nicht so toll. Der Aufgabe, etwas halbwegs vernünftiges in den Magen zu bekommen, war der Laden mit Mühe gewachsen. Immerhin ging alles sehr schnell (alles online, bestellen, bezahlen, nur bringen ging nicht online).
Für weniger als 10 GBP fahren wir schnell, bequem und zuverlässig nach Glasgow und vom Bahnhof mit einem Taxi weiter zur Glasgow Distillery.

Verrückt. Morgen ziehen wir doch sowieso nach Glasgow um. Allerdings kann die Glasgow Distillery nicht zu beliebigen Zeiten besichtigt werden. Es geht halt nur heute. Aber der Aufwand hat sich gelohnt, urteilen wir am Ende des Tages alle.
Die Destille macht Bimber harte Konkurrenz, was die absolut hässliche Lage in einem Industriegebiet angeht. Sie ist keine Schönheit, ganz das Gegenteil.
Die Tour beginnt mitten zwischen den Fässern mit einem ersten Whisky und einem lockeren Gespräch. Eine entspannte, informelle Eröffnung. Super. Wir probieren Whiskys direkt aus dem Fass. Anwesende Damen dürfen ihn aus dem Fass ziehen und den Teilnehmern einschütten. Auf ein bisschen mehr oder weniger kommt es nicht an. Das allein ist schon sehr sympathisch. Man zeigt sich nicht knauserig, eher großzügig. Ob letztlich jeder diese Großzügigkeit ausnutzt, bleibt dahingestellt. Bis auf die rauchige Variante ist jeder Tropfen bestens. Das hatte ich nicht erwartet.
Zwischen den einzelnen Verkostungen gehen wir immer wieder in einen anderen Produktionsbereich der Destille. Auch dort dürfen die Besucher HAnd anlegen. Alles ist in zwei Hallen untergebracht, wenig ansehnlich, echt Industrielook. Das hier heute Morgen noch produziert wurde, ist zu sehen.

Der Alkohol hat zwar ein wenig die Zungen gelöst, aber keinen Hunger gestillt. Wir fahren mit Taxi und Zug zurück nach Edinburgh und bestellen einen Tisch im Berti’s. Einem Trendlokal für Fish’n Chips. Laut, bunt und mit vielen Fotos, die zeigen sollen, wer den schon alles hier gewesen ist, u.a. Prince Charles und seine Frau. Nun, wir werden nicht fotografiert, von uns wird kein Bild im Flur hängen, an dem sich die Wartenden erfreuen können. Da der Tisch nicht sofort zur Verfügung steht, wir also ein wenig zu schnell sind, nehmen wir in der Quay Bar, einer Zweigstelle der Port of Leith Distillery noch schnell einen Dram. Haben ja noch nicht ganz so viel Whisky getrunken :o). Dummerweise vergesse ich dort im Eifer der Gespräche meine Kappe und muss vom Berti’s noch mal schnell zurücklaufen. Aber sie ist noch da. Die Reise fordert somit noch keine Opfer!
Der Fisch im Berti’s schmeckt gut, aber ich muss nicht noch einmal in diesen Laden. Das ist nicht meine Kragenweite. Zu laut und zu eng und zu bunt.
Die nächste Station ist die Kaleidoskop Bar in der Queen Street. Eine „Zweigniederlassung“ der SMWS. Von der Straße aus unscheinbar. Man kann fast daran vorbei laufen, wenn man sie nicht gerade aufmerksam sucht.
Eine geteilte Bar, für Mitglieder der eine Teil, für Non-Members der andere Teil. Wir besuchen den Non-Member Abschnitt. Sie ist nicht ganz so britisch wie The Vaults, aber einen Besuch wert. Insbesondere der Whiskyauswahl wegen. Gute Whiskyauswahl hin oder her, irgendwann schauen wir alle ziemlich müde aus und nehmen die Tram zurück zum Hotel.



