Visby

Anleger in der Nähe des Campingplatzes

Sommerwetter in der Welterbestadt.

Der frühe Vogel fängt den Wurm – Heikes Lebensmotto. Ich hingegen schaffe es heute erst nach 08:00 aus den Federn, habe irgendwie Schlafnachholbedarf. Heike ist zu diesem Zeitpunkt schon geschniegelt und gebügelt und liest im Reiseführer für Gotland.

Das Wetter ist hervorragend. Die Sonne scheint. In der Nacht waren es „nur“ 12 Grad Celsius aber heute früh zum Frühstück reichen 18 Grad in der Sonne für eine angenehmes Gefühl aus. Allerdings wird es immer wärmer. Bevor wir starten ziehen wir uns lieber noch einmal um und was sommerlicheres an. Dann geht es zu Fuß in die Stadt.

Visby ist eine alte Hansestadt und Weltkulturerbe. Eine alte Stadtmauer umschließt die Altstadt immer noch fast vollständig. Enge Gassen, Speicherhäuser, geteerte Holzhäuser, Kirchenruinen, mittelalterliche Marktplätze, das alles wollen wir sehen.

Die Altstadt ist nicht sehr groß, aber zu groß um heute alles zu sehen. Wir hatten es angenommen und sind daher für vier Nächte auf dem Campingplatz Visby Strandby, 20 Minuten zu Fuß von der Altstadt entfernt. Wir streifen mehr oder weniger im Zick-Zack durch die Stadt.

Am Hafen machen wir eine erste Rast und vertilgen ein Eis. Jeder von uns nimmt nur eine Kugel, dennoch zahlen wir dafür knapp über 10,– €. Gotland ist Ferienziel No. 1 für Schweden. Es hat die meisten Sonnenstunden und die geringsten Niederschläge von Schweden. Durch die Lage in der Ostsee (90 km von der schwedischen Küste entfernt) ist das Klima sommers wie winters milder und angenehmer als auf dem Festland. Also nutzen die Einheimischen die Sache aus und langen kräftig zu.

Immer wieder machen wir bei der Stadterkundung eine Pause, nutzen die zahlreichen Bänke in der Sonne oder im Schatten. Es ist inzwischen merklich wärmer geworden. Barfuß in Schuhen und ohne Unterhemd ist es dennoch fast zu warm. Schweiß steht auf der Stirn, obwohl der Wind recht angenehm bläst. Die Pausenstrategie zahlt sich aus. Heike schafft es bis gegen 17:00 Uhr und somit nahezu sechs Stunden in der Stadt mit mir durch die Gegend zu streifen. Erst auf dem Rückweg zwacken die Füße.

Wir linsen auch immer wieder in diverse Geschäfte hinein und müssen uns wirklich zurückhalten. In der Gotländer Strumpffabrik wird Wollbekleidung angeboten, vorwiegend für Damen. Tolle Verarbeitung, tolles Design und es stünde Heike sicher gut zu Gesicht . . . aber alles andere als preisgünstig. In der Glasbläserei von Visby werden Artikel aus recyceltem Glas hergestellt. Fantastische Ideen. Die Wasserkaraffen, die Weinbecher und die kleinen Herzvasen haben es uns besonders angetan . . . aber alles andere als preisgünstig. Und so geht es dann auch weiter. Sowohl in dem Laden einer Fraueninitiative als auch in Bekleidungsgeschäften oder Andenkenläden. Allerdings können wir nicht überall widerstehen. Im Käseladen erliegen wir den Düften und kaufen Gotländer und schwedischen Käse, nachdem wir ihn probieren konnten.

Nach so zahlreichen irdischen Versuchungen suchen wir geistigen Ausklang im über 800 Jahre alten Dom von Visby. Kein Vergleich mit den englischen, üppig ausgestatteten Kathedralen. Der Dom ist schlicht, folgt einfachen, geradlinigen Formvorgaben und ist dadurch sympathisch. Bemerkenswert ist, dass darin drei (!) Orgeln stehen, zusätzlich noch ein Flügel und ein Klavier. Wir erleben eine kleine Unterrichtseinheit an der kleinsten Orgel. Der Meister müht sich mit dem noch nicht sehr fortgeschrittenen Schüler. Wir können das Klangvolumen der Orgel erahnen, mehr aber auch nicht geniessen.

 

Es ist warm, ich bin verschwitzt, das Meer liegt vor der Tür! Wieder am Campingplatz angekommen tausche ich die Sommerbekleidung gegen Badehose und -latschen und laufe rüber zum nahen Steg. Brrrr. 16 Grad weiß eine Jugendliche zu berichten. Aber es tut gut. Ich bin nicht allein im Wasser. Ein kleines aufgeschlossenes Mädchen aus Syrien, Bjella, wenn ich sie richtig verstanden habe, unterhält sich mit mir und will wissen wie ich heiße und ob ich im Wasser machen kann, was sie kann. Leider ist das Wasser, trotz Ende des Steges, nicht tief, zum Schwimmen fast ungeeignet flach und außerdem steinig. Ich bleibe nicht lange.

Die Erfahrung war allerdings so gut, dass ich nach dem Abendessen, Handtuch, Badehose und -schuhe sind wieder trocken, noch einmal zum Meer gehe. Diesmal ist eine Gotländerin mit mir im Wasser. Sie weiß zu erzählen, dass es nur 14 Grad „warm“ ist. So wie es sich anfühlt, kann ich das besser als 16 Grad nachvollziehen. Lange plansche ich auch nicht herum.

Abendstimmung am Strand – Stunden nach dem Schwimmen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert