Totnes – Carnon Downs

Tregothnan International Tea Center in Coombe am River Fal

Tea-Tasting!

Sollte das Wetter jetzt nachhaltig schlechter werden? Ein feiner Sprüh- und Nieselregen begleitet den morgendlichen Aufbruch. Auf der Fahrt gen Cornwall jubeln wir über jeden Flecken blauen Himmel, aber es sind nicht viele.

Nach etwas mehr als 30 Minuten Fahrt legen wir schon die erste Pause in Saltram ein, ein Herrenhaus, das vom National Trust verwaltet wird. Der Parkplatz ist schon fast voll! Scharen von Hundebesitzern strömen in die Woodlands. Alle gut bestiefelt und regensicher verpackt. Ja, es regnet immer noch mehr oder weniger leicht vor sich hin. Schlechts Wetter war vorhergesagt, aber muss die Vorhersage denn auch zutreffen??!?

Der Parkplatzwächter weist uns einen Platz im Dissabled Parking Bereich zu. Wir sollen dort parken, wo in der Box Coaches steht. Toller Versuch. Nee. Mach‘ ich nich‘. Wir sind kein Bus. Wie sieht das denn aus, wenn sich das einzige Fahrzeug mit deutschem Nummernschild weit und breit als Nicht-Bus auf den Busparkplatz direkt neben dem Eingang hinstellt??! Ich glaube der Parkplatzwächter mochte uns nicht.

Wir sind um 10:30 in Saltram, das Haus öffnet aber erst um 11:00. Wir verbringen die Zeit mit dem Einkauf von Postkarten. Ich glaube ich habe den Gegenwert von 35 Euro an Porto schon verschickt. Die Ansichtskarten, die der National Trust herausgibt, sind Gott sei Dank nicht sehr teuer.

Saltram

Da wir für heute ein Tea-Tasting für 14:30 gebucht haben, haben wir nicht viel Zeit für die Besichtigung. Leider. Das Haus hat bis 1957 einer ehemals reichen Familie gehört. Bis in die späten 80er haben hier noch Familienangehörige gewohnt. Ein typischer National Trust Deal. Innen ist, wie in diesen Häusern üblich, viel Prunk und Angeberei zu sehen. Aber im Gegensatz zu manch‘ anderem Haus ist dieses für uns durchaus attraktiv. Schade, dass wir nur so wenig Zeit haben. Die Hauptstrecke bis zum nächsten Campingplatz liegt noch vor uns. Wir wollen vor dem Tasting noch einchecken.

Wettertechnisch geht die Fahrt so einigermaßen. Immer wieder Regen, aber über lange Strecken trocken. Leider ändert sich das in Carnon Downs, unserem Ziel. Hier scheint sich der ganze Regen vom UK zu versammeln. Aus Wiesen und Feldern fließt das Wasser auf die Straßen. Die Kanäle sind offensichtlich überfordert oder stellenweise verstopft. Riesige Lachen, schon kleine Seen, breiten sich überall aus. Kritisch für die Durchfahrt. Was ist unter dem Wasser? Hier gibt es leider nennenswert tiefe Schlaglöcher, 20 cm sind keine Seltenheit. Das rumst ganz schön und ist sicher für die Räder und das Auto nicht von Vorteil.

Nach dem Einchecken machen wir uns auf den Weg zum International Tea Center in Coombe, einem ganz kleinen Nest am River Fal. Seit 20 Jahren wird hier Tea verkauft, der hier auch angebaut worden ist. Aber wo sind die Teaplantagen, wir sehen keine. Später erfahren wir, dass sie im Wesentlichen auf der anderen Seite des Flusses liegen. 

Coombe und das Ende der Straße, von hier aus nur noch Grundstückszufahrten oder per Boot über den Fluß.

Auf dem Weg zum Treagothnan Tea Center sind wir schon fast der Überzeugung, wir seien falsch und haben uns verfahren. Die Straßen werden immer enger und irgendwann auch immer schlechter (Privatstraße). Plötzlich stehen wir dann in einer Sackgasse vor dem Wasser des Flusses. Großes Fragezeichen. Das sieht hier nicht nach Tea-Center aus. Aussteigen, fragen! Und siehe da, wir sind richtig. Alle Gebäude hier sind schon ziemlich alt und gehören alle zum Tea-Center, incl. der vermieteten Cottages. Alles zusammengenommen ein pitoreskes Ensemble.

Zum herum laufen ist es zu naß und regnerisch, wir sind etwas zu früh hier. Wir finden tatsächlich noch einen Parkplatz, verdrücken im Auto erst einmal einen kleinen Snack und recherchieren zum Ort Coombe. Seit dem 14. Jhd. ist er im Besitz der Familie, der nunmehr auch das Tea-Center gehört und die hier Tee anbaut. Der erste in England unter freiem Himmel angebaute Tee!

Das Tasting selber ist nicht ohne Folgen. Wir sind die einzigen Gäste und Rob kann sich ganz auf unsere schlechten Englisch- und Teekenntnisse einstellen. Sehr angenehm. Am Ende des Tastings haben wir mehrere Teedosen im Gebäck und einige Pfund auf dem Konto weniger. Der Betrieb erntet hier in Cornwall jährlich inzwischen 16 to Teeblätter = 2 to Tee nach der Oxidation. Für viel Geld wird er zum überwiegenden Teil nach China verkauft. Bio, ohne Insektizide, aus dem Land, das China unterworfen und gedemütigt hat und jetzt selber versucht Tee herzustellen. Ein Tee mit Story zum Beeindrucken. Spannendes Konzept. Der Tee ist im Übrigen sehr gut, soweit ich das beurteilen kann. Aber auch in Heikes Augen gehöert er zu den exquisiten Sorten.

Danach tanken wir erst einmal und kaufen schon wieder was zu essen ein (ach, hatte ich schon erwähnt, dass es immer noch regnet?). Diesmal müssen es Eier und frisches Brot für heute Abend sein. Wir sind recht früh auf dem Campingplatz. Es regnet immer noch.  Meine Stimmung ist nicht gerade auf dem Höhepunkt. Ich bin gespannt, wie es morgen sein wird. Die Vorhersage ist gemischt, es soll auch ein wenig die Sonne scheinen.

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