
Mittagsschlaf!
Heute soll das Wetter besser werden, als es gestern gewesen ist. Wir machen eine Rundfahrt. Aber schon beim Start kann ich irgendwie ‚nicht aus den Augen schauen‘. Ich bin trotz einer sehr gut durchschlafenen Nacht müde.
Entsprechend schaffen wir es noch anständig und würdevoll nach Själsö, einem kleinen Ort in unmittelbarer Nachbarschaft. Dort soll es die beste Bäckerei Gotlands geben. Es ist nicht viel los, als wir ankommen. Allerdings kann man an der Größe des Parkplatzes erkennen, dass es auch anders geht. Die Veranda, die heute verwaist ist (es tröpfelt leicht), kann wahre Heerscharen bewältigen. Brote und Gebäck sehen gut aus. Die ausliegenden Probierstücke sind die Wucht. Wir kaufen zu viel: zwei Brote und vier ‚Teilchen‘.
Die nächste Station soll die Jungfrau westlich der Lickershamns fiskeläge werden. Aber soweit kommen wir erst einmal nicht. Auf dem Weg dorthin halten wir an der Kalksteinhöhle / Grottan, der Grotte von Lumelunda. Aber wir werfen nur einen Blick, nutzen die dortigen Toiletten und fahren wieder. Alles ist sehr touristisch, alles sehr neppig. Sogar für’s Parken nehmen sie an dieser Sehenswürdigkeit Gebühren. Das ist für Schweden schon bemerkenswert. Darüber hinaus haben wir auch keine rechte Lust auf eine acht Grad kalte Höhle.
Wir fahren also einfach weiter nach Lickershamn. Auf dem Parkplatz direkt am kleinen Gästehafen von Lickershamns fallen mir die Augen zu. Ich würde sagen, ich habe nur ein kleines Nickerchen gemacht und ansonsten nur gedöst. Heike sagt, ich hätte lange und ordentlich geschnarcht. Wie auch immer . . . danach geht es mir besser. Ein Mittagsschlaf ist für mich recht ungewöhnlich. Aber er hat gutgetan.
Nach dem Schläfchen sind wir erst einmal hungrig und speisen in der Sonne im Hafen mit Blick auf die Fischerhütten, für die der Hafen in Lickershamn ebenfalls bekannt ist. Die Teilchen aus der Bäckerei sind genial. Leider überlebt keines unsern Ansturm. Es entsteht allerdings sofort der Plan, morgen noch einmal welche zu kaufen, bevor wir weiter in Richtung Ostkünste fahren.
Der Spaziergang zur Jungfrau ist nicht weit. Hin und her vielleicht 1,5 km.
An der Jungfrau, einer der Rauka auf Gotland, entscheiden wir uns daher ein wenig weiter zu gehen. Es gibt einen weiteren Rauk. Nicht so spektakulär, aber auch mit schöner Aussicht auf’s Meer. Der Weg dorthin führt „über Stock und Stein“ durch den Wald. Heike bewältigt ihn trotz ihrer gelegentlich problematischen Füße hervorragend.
Auf dem Rückweg zum Auto gehen wir durch die Ansammlung der Fischerhütten hindurch. In einer ist eine kleine Erfrischungsbude, die ebenfalls geräucherte Fische verkauft. Heike kann einer gotländischen Flunder nicht wiederstehen. Das Tier wird maximal für eine halbe Person reichen, sie ist etwas größer als die Hand eines sehr großen Mannes. Sie duftet aber gut und kräftig.
Die Fischerstelle hat es uns angetan. Wir fahren daher gleich zur nächsten.
Bei Hallshuk fiskeläge sagen sich Fuchs und Hase gegenseitig ‚Gute Nacht‘. Sie liegt abseits. Überall auf Gotland, soweit wir es bislang gesehen haben ist es ruhig und still, nur wenige Touristen. Aber hier bei Hallshuk fiskeläge ist gar nichts. Zur Saison muss es allerdings beliebter sein. Direkt an den Fischerhütten ist ein offiziel ausgewiesener Wohnmobilstellplatz mit bombastischer Aussicht. Weiter oben zwischen den Wohnhäusern ist noch einer. Auf beiden darf man aber max. 1 Nacht stehen. Wir gehen etwas am Kiesstrand spazieren und finden ein Fossil. Sieht aus wie versteinerte Krabben oder Shrimps.
Gotland ist für seine Kirchen bekannt. Wir fangen heute damit an und schauen uns erst mal eine an, die mal in der Vergangenheit Kirche war, aber heute nur noch für Freiluftgottesdienste und Hochzeiten unter freiem Himmel genutzt wird. Elinghems ödekyrka ist eine Ruine und schon lange keine Kirche mehr.
Milch und Butter sind zur Neige gegangen. Ein ICA, ein Maxi-ICA muss her. Auch das gibt es selbstverständlich auf Gotland in Visby. Auf diese Weise sehen wir das nicht touristische Visby, eine normale schwedische Stadt. Nichts ist mittelalterlich oder gar welterbewürdig. Im ICA ist eine Apotheke integriert. Auch diese führt keine A-Creme, ein Produkt, das wir der Schwiegermutter erstmals aus Norwegen für ihre Hautprobleme mitgebracht haben. Nun schwört sie darauf und ‚bestellt‘ bei uns immer gleich mehrere Gläser, wenn wir in Richtung Scandinavien unterwegs sind. Aber erst die dritte Apotheke, die wir anfahren, hat die begehrte Creme. Nun ist auch das erledigt.
Wir verbringen den letzten Abend auf dem Campingplatz, mit dem wir bis zum letzten Tag nicht so recht warm geworden sind. Wir werden ihn nicht vermissen. Sein unbedingtes + war die fußläufige Entfernung zur Altstadt von Visby.




