Själsö Bageri – Själsö fiskeläge – Kirche von Bro – Alvena Lindaräng – Kirche von Gothem – Ljusmarkeriet Gotland

Själsö fiskeläge

Nationalfeiertag und Geburtstag.

Der erste wichtige und angenehme Teil des Tages ist ein Telefonat nach Deutschland mit unserer Tochter. Eigentlich toll, dass es diese Technik gibt. Wir nutzen sie so selbstverständlich, obwohl sie eigentlich wie ein kleines Wunder wirkt. Viele hunderte Kilometer trennen uns doch.

Nach dem Frühstück setzen wir den gestern beschlossenen Plan um und fahren noch einmal zur 5* Bäckerei. Wir erwerben wieder vier Teilchen (die im Übrigen und erwartungsgemäß die kommende Dunkelheit nicht mehr erleben). Auch in Själsö gibt es eine fiskeläge, eine Ansammlung von Fischerhütten am Hafen. Gestern waren wir ausschließlich auf die Bäckerei konzentriert und haben darauf nicht geachtet.

Auch dieser kleine Hafen mit den Hütten ist ein toller Platz zum Verweilen (hier gibt es aber keinen Wohnmobilstellplatz). Wir halten es aber nicht all zu lange aus. Der Tag ist noch lang und wir wollen noch was sehen.

Gestern nur eine Ruine, heute soll es eine richtige Kirche sein. Die Kirche von Bro soll schöne Kalkmalereien haben. Wir befürchten, dass derartige Gebäude nicht geöffnet haben, schließlich ist nicht Hauptsaison oder Sonntag. Aber sie hat geöffnet, von 9-17. Ohne Eintritt, ohne Bewachung, einfach eine offene Tür, einfach reingehen. Wir sind ganz allein und können uns alle Zeit der Welt lassen, theoretisch. In der Kirche läuft ein Luftentfeuchter. Das Gerät kühlt die Kirche damit auch sehr runter. Während es draussen mit ca. 20 Grad sehr angenehm ist, fühlt es sich in der Kirche an wie Kühlschrank.

Wir brauchen einen schönen Platz, um die hervorragenden Teilchen in angemessener Atmosphäre ins Jenseits zu befördern. Alvena Lindaräng erscheint und der rechte Platz zu sein. Eine traditionell bewirtschaftete Laufwaldwiese (mit Linden, daher der Name, aber auch Eichen u.a.). Es ist ein  kleines, abgelegenes Areal mit einem herzlich kleinen Parkplatz. Der zeigt schon mit seiner Winzigkeit, dass wir wahrscheinlich die ganze Zeit allein sein werden.

Wir vertilgen nicht nur unsere Teilchen, sondern gehen auch einmal durch das ganze Areal und machen daraus einen botanischen Spaziergang. Die App Flora incognita hilft uns bei der Identifikation der vielen verschiedenen Orchideen, die hier wachsen. Keine Großen selbstverständlich, sondern kleine und manchmal recht schwer zu findende. Es macht richtig Spaß. Wir hätten nicht gedacht, dass hier so viele verschiedene Orchideen vorkommen.

Die Kirche von Gothem soll noch schönere Kalkmalereien haben. Zumindest ist sie ein imposantes Bauwerk. Wir sind auch hier die einzigen Neugierigen. Auch in dieser Kirche verführen die durch einen Luftentfeuchter stark heruntergekühlten Temperaturen nicht zum ausgiebigen Verweilen. Die Kalkmalereien sind schön, aber insgesamt hat uns die Kirche von Bro besser gefallen, innen zumindest.

Einzelne Bauteile der historischen Gebäude, das ist uns schon in Visby aufgefallen und hier an der Gothem Kirche besonders, sind in traditioneller Weise haltbar gemacht, mit Baumharzteer. Es riecht herrlich. Allerdings nicht sehr kräftig, es sind ja nur einzelne Bauteile, hier eine Tür.

Auf der Fahrt zu Kirche hat Heike eine Wegeweiser zu einer Kerzenzieherei entdeckt. Schwupps hatte dieser Tag ein neues „muss-sein“. Auch in der Ljusmarkeriet Gotland sind wir allein mit der Inhaberin und ihrem tauben Hundesenior. Wo sind all die Touristen hin? Auf der Fähre waren doch so viele Wohnmobile. Alle schon wieder zu Hause? Unsere Schweizer Nachbarn auf dem Campingplatz Visby haben die Insel nach vier Tagen wieder verlassen (hatten noch ein strammes Programm in Richtung Norwegen vor der Brust). Haben das alle gemacht? Wir hatten am Nationalfeiertag einen wilden Ansturm erwartet, aber davon ist nichts zu spüren. Heike kann in der kleinen Manufaktur nicht nur Kerzen kaufen, sondern auch welche selber ziehen. Die Kerzen bestehen aus 80%igem Stearin, der Rest ist Parafin.

Bis 17:00 ist Vitviken Café noch Camping geöffnet. Wir kommen noch rechtzeitig auf dem kleinen, unter hohen Kiefernbäumen gelegenen Campingplatz an. Das Café ist wahnsinnig schnuckelig und so, wie ich mir ein schwedisches Strandcafé vorgestellt habe. Der Campingplatz eher einfach. Allerdings hat er alles was man so braucht und ich zähle nur neun Campinggäste. Wenn das so bleibt . . . .

Auto aufbauen und einrichten und dann ab an den nahen Strand. Ein Weg führt direkt von Campingplatz an den breiten Strand, der die gesamte Bucht ausfüllt. Vitviken, die weiße Bucht.

Das Wasser ist sehr flach. Ich muss gut 100 m hineinlaufen, bevor es hüfthoch ist. Aber es ist ziemlich kalt. 11 Grad, sagte der nette Campingplatzbetreiber. Dennoch gehe ich zweimal rein und tauche unter, alles ohne Hast aber seeehr zügig. In der Sonne trocknet es sich angenehm.

Zu Abend essen wir draussen. Es ist Juni, bald ist Mitsommer. Die Tage werden immer länger. Es ist herrlich lange hell.

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