Stimmt und stimmt auch nicht.
Ein Teil der Familie muss nämlich den ganzen Tag arbeiten. Sohnemann hat zu tun. Wir sehen ihn zwar zwischendurch, z.B. zum Lunch, aber erst am Abend können wir etwas mehr Zeit beim Dinner und danach miteinander verbringen. Natürlich teilen wir diese Zeit auch noch mit unserer Enkelin.
Aber mit ihr verbringen wir die ganze Woche. Das ist, neutral formuliert, immer noch recht ungewohnt. Wir sind dann doch nicht häufig genug mit ihr zusammen. Und ehrlicherweise muss ich sagen, ist es auch nach wie vor anstrengend. Keine ruhige Minute. Immer volle Begeisterung beim wilden Spiel und beim Toben, ausdauernd, wild . . . ich kann nicht mehr! Woher nimmt dieses kleine Menschenkind die Energie. Ich bin alt, werde immer älter und immer schwächer! Wie kann ich ihr das Hobby des Briefmarken sammelns näher bringen????
Am Wochenende bekommen wir noch gemeinsam das Bett aufgebaut. Sie hilft sogar intensiv mit, soweit es halt geht. Aber danach läßt sie keinen Zweifel. Oma und Opa gehören jetzt mir, sind ja schließlich Ferien.
Am Liebsten spielt sie drinnen in der Wohnung. Aber das ist für uns nur eingeschränkt kompatibel. Wir müssen auch mal raus. Also nutzen wir allerlei „Ausreden“ um mit ihr zum Einkaufen zu gehen, in den Park, zum Vögel füttern, zum Spielplatz. Ihr Vater hat auch Aufträge für uns. Bei IKEA allerlei für’s neue Bett besorgen. Bettdecke, Bezüge, Lampen.
Der IKEA Ausflug funktioniert gut. Sie war schon mal weniger duldsam. Erstaunlich, dass sie voller Begeisterung in den Ausstellungsräumen herumläuft und sich anschat, wie so alles eingerichtet ist. Leider bekommen wir nicht alles. Insbesondere nicht die rote Wunschlampe unserer Enkelin. Bei vielen anderen Dingen bin ich mir nicht sicher, was ihr Vater so genau wollte und kaufe daher lieber nichts. Am Abend ordert er dann alles im Internet und ich erkläre mich bereit, die Sachen am kommenden Vormittag abzuholen. Quasi auf dem Weg vom Campingplatz in die Wohnung.
Die Busfahrt von Abbey Wood nach IKEA dauert fast eine Stunde. Die Aktion wird duch einen Einkaufsbummel meinerseits in Einkaufszentrum der O2 Arena auch noch verlängert. Ich plündere dort einen Shop, von dem Heike hier und heute noch nichts wissen darf. Zwischen der Arena und IKEA liegen auch noch einmal 30 Minuten Fußweg. So zieht sich der Vormittag dahin. Ich komme in der Tat erst Mittags in der Wohnung an.
Die Lampen werden dann gemeinsam an einem der kommenden Abende mit der Enkelin und dem Sohn montiert. Gar nicht so einfach. Die gekauften Lampen sind offensichtlich nicht so ohne weiteres als ihre Kragenweite einzustufen.
Heike und Enkeltochter bilden aus Filzbuchstaben ihren Namen, stopfen die Buchstaben aus und hängen sie ans Hochbett. Die Kleine macht dabei weniger mit, als Heike es sich gewünscht hat. Dafür übe ich mit ihr „Drachenbrüllen“. Kim arbeitet von zu Hause und muss ganz schön leiden.
Schwiegertochter kommt am Freitag Abend nach Hause. Wir verabreden uns in Canary Wharf und wollen alle gemeinsam, noch mit Gepäck im Schlepptau, beim dortigen Chinesen essen gehen. Dass wir keinen Tisch reserviert haben wird uns dann auch zum Verhängnis. Wir weichen zu einem Italiener aus, eigentlich eine aufbemotzte Pizzeria. Die Pizza ist aber hervorragend, nicht preiswert (was ist hier schon preiswert in London?!), aber gut.
Der Samstag vor unserer Abreise verläuft so, wie alle bisherigen Samstage in London. Wir gehen gemeinsam frühstücken, diesmal ins e5 im Bartlett Park, danach eine kleine Runde spazieren duch den Cemetery Park, der Park mit dem morbiden Charme.
Heike und ich packen, was zu packen ist, verabschieden uns am Nachmittag und sind frühabends am Campingplatz.
Da wir auch zu Hauese keine Lebensmittel haben, gehen wir in Abbey Wood in den Saintsbury’s. Abendessen und ab ins Bett. Morgen geht’s heim.


